Solingen: Kamera-Skandal bei den Maltesern

Foodsaver suchen das Weite

Solingen/ Seit einigen Wochen hängt in der Unterkunft der Malteser, auf der Löhdorfer Straße, eine Kamera. Trotz Protesten aus der Helferschaft, will sich bislang niemand dazu äußern, weshalb Hilfsbedürftige und Mitarbeiter der Malteser gefilmt werden.

Seit Daniel Schwarz die Führung der Malteser übernommen hat, kommt die Hilfsorganisation nicht zur Ruhe. Der ehemalige Malteser-Chef Sascha Küll war damals mit mehreren Helfern aus dem Vorstand zurückgetreten. Wenig später folgte der Leiter des Besuchshundedienstes Enzo Notitia und nun kehren auch noch rund 40 ehrenamtliche Helfer der Foodsaving-Gruppe um Rebecca Höttges den Maltesern den Rücken.

Mit einer Kamera werden Mitarbeiter der Food-Saver und Hilfsbedürftige überwacht. Am Haupteingang der Malteser hängt keine Kamera

Es habe immer wieder kleine Gehessigkeiten gegenüber der Gruppe gegeben. „Als wir morgens kamen, hatte man uns das Kabel vom Staubsauger durchgeschnitten, oder die Gefriertruhe hatte plötzlich keinen Strom mehr und wir mussten alles wegschmeißen“, erinnert sich Rebecca Höttges, die bei der Vielzahl der Anfeindungen gar nicht weiß wo sie anfangen soll. Auch mit den Nachbarn hatte es Probleme gegeben. „Man ist gegen Armut, aber die Armen will man möglichst nicht vor der eigenen Türe haben“.

Helfer zweiter Klasse

Die Foodsaver hätten sich oft gefühlt wie Helfer zweiter Klasse. Man fand unsere Arbeit vordergründig toll und habe doch keine Gelegenheit ausgelassen, die Arbeit der Gruppe zu torpedieren, hieß es.

Dabei hätten die Lebensmittelretter in der Vergangenheit so manchen Dienst gerettet. „Unsere Kollegen waren es, die oft mit dem Kältebus unterwegs waren, wenn mal keine Kamera zu sehen war. Zusätzlich zu unserem Alltagsgeschäft eine echte Herausforderung“, so Höttges. Der Initiator des Kältebusses, Sascha Hoffman, hat inzwischen längst die Segel gestrichen.

„Man hat immer deutlich gemerkt, dass man uns als Malteser 2. Klasse betrachtet und uns das auch spüren lassen“.

Neuer Verein soll es richten

Zuletzt hatten Aktivisten Unterschriften gegen die Kamera gesammelt – ohne Erfolg. „Ich finde es eine Sauerei, dass ich gefilmt werde. Was passiert denn mit den Aufnahmen?“, so eine “Kundin“, die nicht genannt werden will.

Für Höttges und viele Helfer war klar, dass es so nicht weitergehen kann. Nach vielen Gesprächen kristallisierte sich heraus, dass es ein eigener Verein sein soll, der sich zukünftig um die Rettung der Lebensmittel kümmert.

Losgelöst vom Stress der vergangenen Tage fand gestern die erste „Fairteilung“ als neuer Verein am Ufergarten statt.

Gewichtige Unterstützung erhält die Vorsitzende des neuen Vereins FoodSaving Solingen, Rebecca Höttges, vom ehemaligen Malteser-Chef Sascha Küll, der auch eine Position im neuen Vorstand innehat. „Ich bin so froh und dankbar über die Unterstützung, auch aus dem Kreis der ehemaligen Malteser. Jetzt können wir uns endlich auf die Rettung der Lebensmittel konzentrieren, statt auf einen Kleinkrieg mit der Malteser-Führung“, so Höttges abschließend.

Bereits gestern erfolgte die erste „Fairteilung“ am neuen Standort, der Flüchtlingshilfe am Ufergarten.

Die Malteser waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Erstellt von am 06.08.2017.

Ein Kommentar Solingen: Kamera-Skandal bei den Maltesern

  1. Kai Vogelmann

    06/08/2017 bei 14:48

    Solinger Bote verreitet sich: Kein Kamera-Skandal bei den Maltesern

    Solingen, 6. August 2017: Der Solinger Bote schreibt seit heute Mittag, 6. August, in seinem Onlineportal und bei Facebook, dass es einen „Kamera-Skandal“ bei den Maltesern gäbe. Das weisen die Malteser in aller Deutlichkeit zurück. Weder Mitarbeiter und Helfer noch Besucher der Malteser sind „bespitzelt“ worden. Der Solinger Bote verreitet sich und stellt haltlose Behauptungen auf.

    Fakt ist: Die Foodsaver-Gruppe der Malteser hatte in der Vergangenheit eine eigene Halle in der Löhdorfer Strasse, wo auch der Sanitätsdienst, der Katastrophenschutz und die Breitenausbildung untergebracht sind. Neben medizinischen Geräten befinden sich in diesem Gebäude auch technische Geräte (Beamer, Fernseher, Computer) und natürlich auch private Gegenstände von Helfern und Mitarbeitern. Durch die Öffnungszeiten der Foodsaver wurde die Malteser-Dienstsstelle immer mehr zu einem „offenen Haus“. Eine Kontrolle, wer sich im Gebäude aufhielt, fand nicht statt. Bis Ende Mai wurden aus der Dienststelle neben einem Defibrillator auch mehrere Rettungsrucksäcke entwendet, so dass sich der Gesamtschaden auf rund 15.000 Euro belief, der von der ehrenamtlichen Ortsführung Maßnahmen erforderte. Daraufhin wurden Ende Mai insgesamt vier Kameras angebracht und an mehreren Stellen im Gebäude auch gut sichtbar darauf hingewiesen (Achtung: Videoüberwachung). Von „Bespitzelung“, wie es der Solinger Bote nennt, kann also überhaupt keine Rede sein. Im Gegenteil. Diese Maßnahme zeigte Wirkung: Seit die Kameras angebracht wurden, deren Aufnahmen übrigens zu keiner Zeit archiviert wurden, gab es keine weiteren Diebstähle aus der Malteser-Unterkunft.

    Dass die Foodsaver-Gruppe diese Maßnahme nicht mitgetragen und mittlerweile die Malteser verlassen hat, bedauern die Malteser.

    Kai Vogelmann
    Malteser Hilfsdienst e.V. in NRW
    Pressesprecher