Belastungsprobe für die Brücke in der Wipperaue

Solingen/ Langsam fährt der über 35 Tonnen schwere Kranwagen der Feuerwehr über die Brücke, insgesamt sechsmal. Zwischen den Fahrten schwenkt eine Arbeitsplattform, die im Flussbett steht, unter das Bauwerk. Exakt halten die Experten das Aussehen und die Beschaffenheit von Rissen in der Mittelstütze fest und damit die Veränderungen, die sich durch die Belastung ergeben. So erhalten sie das Arbeitsmaterial, das Grundlage ist für die statischen Berechnungen, die während der nächsten Wochen folgen.

Archivbild: Brückenprüfer der TBS © by Solinger-Bote

„Aktuell hat die Brücke keinen Standsicherheitsnachweis mehr. Die heutige Belastungsprüfung dient dazu zu ermitteln, wie standsicher sie trotz der vorhandenen Schäden noch ist“, erläutert Karsten Ditscheid von den Technischen Betrieben der Stadt Solingen. Im besten Fall könnte die wichtige Wegeverbindung zwischen Leichlingen und Solingen noch einmal mit Einschränkungen geöffnet werden, im schlimmsten Fall droht die endgültige Schließung. Spätestens bis zum Ende der Sommerferien soll die Entscheidung fallen.

Die Brücke, die zu gleichen Teilen dem Rheinisch-Bergischen Kreis und der Stadt Solingen gehört, war vor zwei Wochen gesperrt worden, unmittelbar nachdem die Auswertungen einer Sonderprüfung vorlagen. Dabei hatte sich gezeigt, dass das bereits bekannte Schadensbild sich nochmals deutlich verschlechtert hatte. Der Gutachter hielt deshalb fest: „Weder für den Eigengewichtszustand noch für den Zustand mit eingeschränkter Verkehrsführung kann derzeit die Standsicherheit angegeben werden.“ Zur weiteren Abklärung empfahl er eine Belastungsprüfung, die heute durchgeführt worden ist.

Besondere Prüfungen stehen bei dem Bauwerk schon lange auf der Tagesordnung: Die Brücke wurde 1958 als Spannbetonkonstruktion gebaut. Heute weiß man, dass das verwendete Material zu einer minderwertigen Charge gehört und anfällig ist für die so genannte Spannungsrisskorrosion. Das ist besonders tückisch, da betroffene Bauwerke unvorhersehbar versagen können. Deshalb gelten für solche Bauten seit 2011 bundesweit vorgeschriebene Handlungsanweisungen. Sie werden von Kreis und Stadt sorgfältig befolgt.

Dass die heutige Belastungsprüfung so zeitnah stattfinden konnte, war auch der Solinger Feuerwehr zu verdanken: Sie half mit geeigneten Fahrzeugen und Personal aus. Während nun die Ergebnisse ausgewertet werden, planen Stadt und Kreis den Neubau, der vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert wird. Läuft alles nach Plan, könnten die Arbeiten 2019 beginnen, die Bauzeit beträgt voraussichtlich 18 Monate. Als Zwischenlösung soll eine Behelfsbrücke gebaut werden.

Erstellt von am 27.06.2017.