Stress

Eine Glosse von Peter Nied/ Eigentlich ist Stress im Alltag ein Produkt. Stress kommt nicht mehr situationsgebunden, wir machen uns den Stress selber. Neulich hatte ich wieder ein Beispiel im direkten Freundeskreis. Der Sohn meiner Bekannten hatte seinen siebten Geburtstag und wollte den natürlich auch feiern. Zunächst reduzierte die Mutter die Zahl der Teilnehmer auf acht Kinder. Die ganze Klasse und die Parallelklasse ging natürlich nicht. Und alle acht Eltern fuhren auch einen SUV, das passte.

Foto: Peter Nied

Dann ging der Stress aber auch schon direkt los. Als Mutter musste meine Bekannte ein Motiv aussuchen. Also: Motiv Baggerfahrer. Nein, dann wird die ganze Straße mit Erde versaut. Oder: Cowboy und Indianer. Nein, das ist rassistisch. Sie legte sich auf Motiv Piraten fest. Und damit die ganze Einrichtung aus Schweden nicht leidet, buchte sie einen Nachmittag beim nächsten Indoor. Aber da war ja auch noch der Stress mit der Verpflegung. Alina, Jens und Kiki duften keine Milchprodukte essen. Kiki nur, wenn die Produkte fair gehandelt waren und von emanzipierten Kühen stammten. Die anderen vier Kinder waren Veganer. Nur Debby durfte alles essen, musste sich jedoch im aktuellen Fall der Mehrheit beugen. Das heißt: Wiese ohne Pudding.

Der Nachmittag im Indoor war laut aber schön und die Kids hatten ihren Spaß. Am Ausgang wartete dann der Inhaber des Ladens. Er eröffnete meiner Bekannten, dass das Trampolin verbogen war, die Rutschbahn keine Treppe mehr hatte und die Wanne mit den 830 Bällen fast gänzlich leer sei. Adressen wurden ausgetauscht und nun hat meine Bekannte eine whatsapp Gruppe eingerichtet. Sie chattet mit den Müttern, wer welche Versicherung hat und ob irgendwo unnatürlich viele bunte Bälle aufgetaucht waren.
Und das Frühjahrsfest steht auch schon vor der Türe. Der Sohn meiner Bekannten möchte gerne noch einmal mit seinen neuen Freunden in das Indoor Paradies.

Ich schätze, sie wollen die letzten Bälle da heraus holen. Welch ein Stress.

Erstellt von am 04.05.2017.