Als der Krieg beendet war…

Solingen/ Auch in Solingen überschlugen sich in den letzten Tagen vor Kriegsende die Ereignisse. Es gab Widerstand, unnötige Opfer in der Zivilbevölkerung und einen Massenmord der Gestapo.

Foto: Peter Nied

Die ersten beiden Wochen im April 1945 stand aber auch hinter jedem Opfer auf beiden Seiten ein persönliches Schicksal. So wie bei dem jungen Mann aus Köln. Im März 1945 wurde Lothar Thieves in seiner Heimatstadt Köln zu einer schnell zusammengestellten Formation der Deutschen Wehrmacht eingezogen. Die Kampfhandlungen verschlugen ihn am 15. April 1945 mit seiner Einheit in das Sengbachtal unterhalb von Höhrath. Zur gleichen Zeit rückten die US-amerikanischen Truppen über die nahegelegene Reichsautobahn (heute BAB A1) vor. Die gesprengte Autobahnbrücke im Bruchermühlental erwies sich nicht als ein entscheidendes Hindernis für die Amerikaner.

Am Zusammenfluss von Sengbach und Unterwinkelhauserbach wollte der junge Soldat Thieves seinen Durst stillen. An dieser Stelle wurde er von der Autobahn her beschossen und durch einen Oberschenkelschuss verwundet. Seine Kameraden haben ihn in der Eile des Rückzuges verbunden und in den nach Oberwinkelhausen führenden Hohlweg gelegt.

In Höhrath erzählten die Soldaten von dem Verletzten, um den sie sich bei der Flucht nicht weiter kümmern konnten. Einige beherzte Männer des Ortes machten sich auf die Suche. Sie kämmten den Wald an der Stelle ab, die nach den ungenauen Beschreibungen der Soldaten als Lageplatz des Verwundeten in Frage kamen.

Tatsächlich fanden sie auch einen verletzten Soldaten und sorgten für seine Einlieferung in ein Lazarett. Aber sie wussten nicht, dass zwei Verwundete im Wald lagen. In dem guten Glauben, den Gesuchten gerettet zu haben, unterblieben weitere Nachforschungen. Am nächsten Tag fand man die Leiche von Lothar Thieves.

Bereits am 1. April ist Solingen von amerikanischen Truppen umstellt und der letzte Akt dieses grausamen Krieges schreibt seine Geschichte. Am 15. April marschieren die Amerikaner in Oberburg ein und einen Tag darauf wird Solingen vom Osten her über Müngsten und die Krahenhöhe eingenommen. Am anderen Ende der Stadt rückten amerikanische Verbände von Hilden über Ohligs sowie von Widdert und Höhscheid auf die Stadtmitte vor. Selbst in diesen Tagen leisteten die Nationalsozialisten und deren Handlanger noch Widerstand.

In Solingen Wald wurde nun die Widerstandsgruppe um den Solinger Karl Bennert offen aktiv. Die Widerständler riefen die Menschen in Solingen Wald auf, weiße Fahnen aus den Fenstern zu hängen. Die SS nahm einige dieser Fenster unter Beschuss, in den letzten Stunden des Krieges kam dabei eine Walderin in ihrer Wohnung zu Tode. Die Widerstandsgruppe Bennert übernahm im Walder Rathaus die Leitung und ebnete den Amerikanern den Weg in die Stadt.

Bereits am 13. April 1945 haben die Nazis wichtige Belastungszeugen aus dem Weg geräumt.

Im Zuge einer Aktion der SS und der Gestapo wurden am Morgen des 13. April 1945 Häftlinge des Zuchthaus Remscheid-Lüttringhausen und weiteren Haftanstalten auf Lastkraftwagen zur Wenzelnbergschlucht an der Stadtgrenze Langenfeld/Solingen gebracht. Hier wurden durch Genickschuss 71 Menschen hingerichtet. Fast alle Ermordeten waren politische Häftlinge, die gegen die Nationalisten gearbeitet hatten. Nach Kriegsende wurden die Opfer umgebettet und am Ohligser Rathaus beigesetzt. Im Jahre 1965 wurden die sterblichen Überreste dann letztendlich in der Wenzelnbergschlucht zur letzten Ruhe umgebettet.

Für Solingen war der 2. Weltkrieg dann am 17. April beendet. Die Amerikaner nahmen die Stadtmitte kampflos ein. Dieser Krieg kostete über 5.000 Solinger das Leben.

Erstellt von am 05.04.2017.

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