Solingen: Die Deportation der Sinti begann am 3. März 1943

Solingen/ Nur wenige Zeitzeugen aus Solingen werden sich an den 3.März 1943 erinnern. Die Baracken an der Potshauserstraße standen noch lange nach Kriegsende. Jetzt rufen einige Organisationen in Solingen zum Gedenken an die Verschleppung der Solinger Sinti und Roma auf.

2017_Romadenkmal

Das Mahnmal an der Korkenzieher-Trasse erinnert an ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte.

Der Solinger Appell:“Am 16. Dezember 1942 ordnete SS-Reichsführer Heinrich Himmler im ‚Auschwitz-Erlass‘ an, alle auf dem Reichsgebiet verbliebenen ‚Zigeuner‘ familienweise nach Auschwitz zu deportieren. Ab 1943 wurden Tausende von Roma und Sinti aus den besetzten Ländern Europas nach Auschwitz-Birkenau gebracht. Dort wurden sie im Lagerabschnitt B II e inhaftiert, das die SS ‚Zigeunerlager‘ nannte. Den Menschen wurde ein „Z“ sowie eine Nummer auf den Arm tätowiert.

Bis zum Herbst 1944 wurden insgesamt 23.000 Roma und Sinti nach Auschwitz deportiert, von denen die meisten in den Gaskammern, durch Zwangsarbeit oder die unmenschlichen Lebensbedingungen starben.

Mindestens 62 – zumeist Solinger – Sinti , die Hälfte davon Kinder unter 14 Jahren, wurden am 3. März 1943 von der Kriminalpolizei aus den beiden städtischen „Zigeuner-Lagern“ (Potshauser Straße 10 und Wörthstraße 24) zur Deportation in das Vernichtungslager Auschwitz zusammengetrieben und abtransportiert. Für mindestens 55 von ihnen war dies eine Fahrt in den Tod. So wurden nahezu alle in Solingen lebenden Sinti vernichtet. Von 1945 an gerechnet spielte dieses Verbrechen an den Sinti 62 Jahre lang keine Rolle in dieser Stadtgesellschaft.

Erst nachdem Stadtarchivar Ralf Rogge hierzu einiges veröffentlichte und am 3. März 2007 von Petra Rosenberg das Denkmal an der Korkenziehertrasse eingeweiht wurde und danach, seit 2014 alljährlich mit einem Mahn- und Gedenkmarsch sowie einem Konzert Anteil genommen wurde, öffnete sich dieses dunkle Kapitel unserer Stadtgeschichte mehr und mehr.

Heute, 74 Jahre nach dieser Deportation in den Tod, ruft der Solinger Apell auf, keine weitere Diskriminierung von Roma und Sinti mehr zuzulassen. Die Probleme der Zuwanderung dürften nicht auf Kosten von Minderheiten ethnisiert werden, hieß es. Insbesondere die AfD steht im Zentrum der Kritik. Eine Kundgebung und Mahngang zum Sinti-Denkmal an der Korkenziehertrasse findet am Freitag, 3 März um 17.30 Uhr, am Alten Markt statt.

Erstellt von am 25.02.2017.

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