Rückbau heißt nicht Abriss

Peter Nied

Peter Nied

Ein Kommentar von Peter Nied

Der Leerstand der Ladenlokale auf der unteren Hauptstraße und einiger Seitenstraßen ist enorm hoch und somit nicht zu übersehen. Die Betonung liegt an dieser Stelle einmal mehr auf „Ladenlokale“.

Ladenlokale muss doch nicht zwangsläufig heißen, dass da immer wieder neuer Einzelhandel oder Dienstleistungen pachten. Gebaut wurden diese Gebäude nach dem Krieg bis in die 1950er Jahre. Zu dieser Zeit sahen die Angebote, die Mengen und Präsentationen der Ware wesentlich anders aus als heute. Viele dieser leeren Ladenlokalen sind schlicht gesagt nicht mehr für die heutige Zeit geeignet. Hier zeigen sich Politik und Vermieter nicht zeitgemäß und offen für ganz neue Wege.

Immer wieder holt man Citymanager von außerhalb. Die kennen die Stadt und das Verhalten der hier lebenden Menschen nicht und haben einen klaren Auftrag. Sie sollen den Einkauf wieder attraktiv machen. Die kleinen oder räumlich ungünstig aufgeteilten Geschäfte sollen neu verpachten werden.

Und wieder wird das eigentliche Ziel verfehlt. Wie gut, dass so etwas in Solingen an anderer Stelle ging, zeigt das Beispiel Schützenstraße. Und was dort über einen sehr langen Zeitraum konsequent praktiziert wurde, das geht auf der Hauptstraße auch. Ich plädiere für einen umfassenden Rückbau zu Mietwohnungen. Die Zukunft für eine lebendige Hauptstraße war vorgestern. Heute ist das Centrum der Hofgarten. Und auch dieses Modell gibt immer mehr an das Internet ab. Unser Einkaufsverhalten hat sich nun einmal total verändert.

Und wenn wir uns die Kaufkraft in Solingen einmal genauer anschauen, dann ist auch da die Luft im Laufe der Zeit ganz schön entwichen.

Erstellt von am 07.02.2017.

2 Kommentare Rückbau heißt nicht Abriss

  1. Sebastian Kranz

    08/02/2017 bei 12:50

    Diesen Vorschlag finde ich sehr interessant. Ich würde am liebsten noch einen Schritt weitergehen und einen Teil der Gebäude abreißen (zB jedes dritte) und dort eine Grünfläche anlegen. Aber wer soll das bezahlen? Der arg grauen Innenstadt würde mehr Grün definitiv gut tun – von der Optik über die Verbesserung der Luftqualität bis zum längeren Aufenthalt in nur einem Stadtpark 🙂

  2. Friedhelm Klein

    08/02/2017 bei 19:56

    Hallo Herr Nied,

    gebe Ihnen größtenteils recht. Daß viele der leeren Ladenlokale nicht mehr für die heutige Zeit geeignet sein sollen, ist aber nicht das Problem; vielmehr sind auch sie die Verlierer eines Verdrängungswettbewerbs.

    Die Notwendigkeit eines „Rückbaus“ zu Wohnungen, wie es am Entenpfuhl bereits vorgemacht wird, sehe ich genauso. Da gibt es drei Fragen:

    1. Die Eigentümer müssen mitziehen
    2. Wohnung im EG geht in der Fußgängerzone nicht
    3. Wie muß man sich das in der Clemens-Ruine, im Bachtor“zentrum“ oder beim früheren Appelrath-Cüpper-Laden vorstellen?