Sprung vom weißen Stein zu Burg an der Wupper

Es begab sich zu der Zeit, als unter einer großen Eiche Gericht auf Schloß Burg gehalten wurde. Ort der Verhandlung war der südliche Teil des Schloßberg. Mit den Schöffen des Landes saß Graf Heinrich von Berg an dem langen Tisch. Ein gezogenes Schwert in der Hand stand ein Edelknabe neben dem Grafen. Auch trug jeder der Schöffen ein Schwert.

An jener Stelle, den bis heute ein weißer Stein kennzeichnet, soll sich der Sage nach das Gottesurteil abgespielt haben Bild: Peter Nied

An jener Stelle, den bis heute ein weißer Stein kennzeichnet, soll sich der Sage nach das Gottesurteil abgespielt haben Bild: Peter Nied

Als alle versammelt waren, nahm der Graf dem Knaben das Schwert aus der Hand und schlug dreimal mit der flachen Klinge auf den Tisch. Dies zum Zeichen, dass das Gericht eröffnet war und die Verhandlung begann. Der Graf legte die Klinge vor sich auf den Tisch und sein Herold verkündete, dass nun die Klage vorgebracht werden könne.

Nun trat der junge Engelbrecht vom Boltenberge vor, hob die Hand und klagte den Gerhard von Steinbach einer schrecklichen Tat vor dem Gericht an. Er hätte im Wald von Schwelm den Gerlach von Scherven erschlagen. Auch Verrat warf er dem Angeklagten vor. Zwölf Ritter standen bereit diese schwere Anklage zu bezeugen.

Da erhob sich lautes murren unter den Rittern, denn der Angeklagte war als ehrenwerter Mann anerkannt. Niemand glaubte an seine Schuld. Der Graf begehrte nach Ruhe und ließ den hier Beklagten vortreten. Gerhard berief sich auf Gott als Zeugen seiner Unschuld. Diese beteuerte er und teilte mit, dass das Opfer gefallen sei und er sein Schwert nur in der Notwehr gezogen und eingesetzt habe.

Aber nichts half dem angeklagten Herrn. Die Ritter beschworen ihre Aussagen und mit erneuten Schlägen des Schwertes auf den Tisch wurde der Ritter als Täter angesehen und für die Tat gerichtet werden solle. Unheil braute sich über Burg zusammen.

Nun rief der Verurteilte in seiner Not nach Ross und Schwert und warf seinem Kläger den Handschuh zu. Jedoch Engelbrecht und die Schöffen verweigerten dem Verurteilten einen Zweikampf. Da stieg Gerhard hastig auf sein Roß und deutete mit ausgestreckter Hand auf nahen Felsen hoch über der Wupper. Nur der Sprung in die Tiefe blieb ihm in seiner Not noch, um mit Hilfe Gotts seine Unschuld zu beweisen. Er gab dem Pferd die Sporen und lenkte es auf den hellen Stein am Abhang zu. Das Pferd bäumte sich auf aber der Reiter lenkte es den Abhang hinunter bis zum Sprung in die Tiefe. Roß und Reiter kamen wie ein Wunder im Wasser der Wupper unverletzt an.

Unter den ungläubigen Blicken der Ritter dankte der Verurteilte dem Herrn und drohte mit erhobenem rechten Arm den Schloßberg hinauf. Der Fels solle ein ewiges Denkzeichen für diesen Moment sein und er lenkte sein Pferd aus der Wupper hinaus an das Ufer. Unter den Augen des Grafen und der Ritter ritt er der heimatlichen Burg zu.

Kein Moos oder Gras wächst bis heute an dieser Stelle und der Stein blieb für ewig ein Denkmal an dieses Gottesurteil zu Schloß Burg an der Wupper.

(Frei nacherzählt nach August Lomberg)

Erstellt von am 23.01.2017.