Wuppertal: gefragter Standort oder unscheinbare „Stadt im Ruhrgebiet“?

Ein einziger Blick auf die Wuppertaler Schwebebahn reicht häufig schon aus, um sich von dieser Stadt verzaubern zu lassen. Und wer einmal den Weyerbuschturm besteigt und sie von weit oben betrachtet, vermutet bereits, dass man hier sehr gut leben kann. Als Immobilienstandort hat Wuppertal in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen. Doch eine aktuelle Studie kommt zu einem anderen Ergebnis. Wie passt das zusammen? Offenbar gar nicht, denn auch Experten können sich mal irren.

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Archivbild: T. Oelbermann

Egal, in welchem der zehn Stadtbezirke Wuppertals man sich niederlässt, jeder einzelne hat seine Vorzüge und seinen eigenen Charme. Wer hier eine Wohnung oder ein Einfamilienhaus zur Miete sucht, dürfte nicht zuletzt dank der bequemen Suche über das Internet vergleichsweise schnell fündig werden. Wer dagegen eine Immobilie erwerben möchte, muss einen langen Atem haben. Denn Wuppertal soll nun zu den Top-Investitionsstandorten in Deutschland gehören, so eine Übersicht des Magazins „Capital“.

Demnach sei es besonders schwer, noch verfügbare Einfamilienhäuser zu finden. Als die Zinsen noch deutlich höher waren, haben spürbar mehr Menschen ihre Häuser verkauft – da konnte man den Erlös ja auch noch gewinnbringend anlegen. Doch heutzutage lohnt sich eine Immobilie als Geldanlage mehr, als das Ersparte unnütz auf dem Sparbuch liegen zu lassen. Das sei mit der Hauptgrund, warum allein 2015 rund 14 Prozent weniger Verkaufsverträge in Wuppertal abgeschlossen wurden. Dabei ist die Nachfrage nach Immobilien nach wie vor sehr hoch.

Wuppertal ist als Standort offensichtlich noch beliebter geworden. Doch wie kann es dann sein, dass die Bevölkerung schrumpft, die Erwerbstätigkeit sinkt und gleichzeitig ein Wohnungsüberhang herrscht? So steht es zumindest in der aktuellen Postbank-Studie „Wohnatlas 2016 – Leben in der Stadt“. Die Stadt blicke, „wie viele Städte des Ruhrgebietes“, auf einige Entwicklungen zurück, die negative Auswirkungen auf die Immobilienpreise hatten. Mit diesen Aussagen waren weder Wuppertals Dezernent für Stadtentwicklung Frank Meyer noch Sozialdezernent Frank Kühn einverstanden. Nach einer gründlichen Überprüfung der in der Studie angeführten Fakten und Aussagen hat sich gezeigt, dass zumindest ein Teil davon auf Daten beruht, die „nicht nachvollziehbar oder zumindest undifferenziert sind“ – insbesondere hinsichtlich Immobilienpreisentwicklung sowie Bevölkerungsanzahl.

So leben in Wuppertal derzeit nicht etwa 341.000 Menschen sondern gut 10.000 mehr. Das Wuppertaler Wohneigentum soll der Studie nach rund ein Viertel seines Wertes verloren haben – eine Aussage, die nicht gerade förderlich für den Wuppertaler Immobilienmarkt ist. Doch wenigstens wird von einer positiven Entwicklung der Preise aufgrund von steigendem Einkommen und steigender Nachfrage nach hochwertigen Wohnungsangeboten gesprochen.

Bleibt dennoch zu hoffen, dass die Studie dem Ansehen der Stadt Wuppertal nicht zu sehr geschadet hat. Auch Experten können sich eben irren, was an sich menschlich und bei weitem kein Weltuntergang ist – solange man seine Fehler erkennt und aus ihnen lernt.

Erstellt von am 05.01.2017.