Advent Advent ein Streit entbrennt

Carsten Stoffel_2_swEin Kommentar von Carsten Stoffel

Weihnachtsbaum oder Adventskranz? Populistische Häresie oder Untergang des Abendlandes? Um die Aufstellung eines Weihnachtsbaumes vor dem Solinger Rathaus ist ein handfester Streit entbrannt, der inzwischen sogar bundesweite Aufmerksamkeit erregt hat.

Während die Befürworter nicht nur den Untergang des Abendlandes, sondern vielmehr einen Kotau vor der überwiegend muslimischen Bevölkerung in der Nordstadt sehen wollen, argumentiert Kurzbach gekonnt jovial, mit religiösen Überzeugungen.

Dies will ihm auch jeder abnehmen. Schließlich ist Kurzbach in Glaubensfragen nicht irgendwer, sondern der katholischste aller Katholiken im Erzbistum Köln, der Inkarnierte Brockhaus für religiöse Angelegenheiten. Wenn dieser Kurzbach vom katholischen Brauch des Adventskranzes faselt, dann müssen wir das einfach glauben. Seine selbstgerechte Erklärung wirkt da wie ein Amen.

Alles klar? Nee! Unser Oberkatholik hatte übersehen, dass der Adventskranz eigentlich auf einen evangelischen Theologen zurückgeht. Johann Hinrich Wichern (1808 bis 1881), der sich in Norddeutschland armen Kindern angenommen hatte, erfand den Adventskranz. Der Sage nach, weil die Kinder im Advent immer gefragt haben, wann denn Weihnachten sei. Erst einhundert Jahre später übernahm auch die Katholische Kirche den Adventskranz.

Der Christbaum ist jedoch bereits aus dem Mittelalter überliefert. Fast genauso lange ist er auch umstritten. Johann Conrad Dannhauer, ein lutherischer Theologe, ereiferte sich in der Mitte des 17. Jahrhunderts in einer Streitschrift über den Brauch, der seiner Meinung nach von der Heilslehre ablenkte.

Unser Tim Kurzbach ein verkappter Calvinist? Ich höre das Domkapitel in Köln schon lachen.

Wie dem auch sei, der Siegeszug des geschmückten Baumes war nicht mehr aufzuhalten. Im 18. Jahrhundert wurde er aber erst so richtig populär. Über Johann Wolfgang von Goethe fand er Einzug in die Literatur. Bis in die 80ér des vergangenen Jahrhunderts war es durchaus Brauch, den Weihnachtsbaum erst am Heiligen Abend zu schmücken.

Und die Moral? Ein oberlehrerhaft wirkender Oberbürgermeister, der mit seinen Bürgern über die Heilslehre philosophieren will und eine Diskussion, die vermeidbar gewesen wäre. Ein stattlicher Baum wäre sicherlich für wenige Euro zu bekommen gewesen. Wenigstens ist es ihm gelungen, über den Sinn der Weihnacht einige Denkanstöße anzuregen. Nicht der Baum steht im Mittelpunkt, sondern der, der da kommt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen ersten Advent und eine frohe und gesegnete Adventszeit.

Erstellt von am 27.11.2016.

Ein Kommentar Advent Advent ein Streit entbrennt

  1. SG-Bürgerin

    08/12/2016 bei 19:04

    Wieso schafft man Weihnachten nicht direkt ab? Mich als Atheist würde das nicht stören,was mich allerdings stört,und das obwohl ich Atheist bin,ist das man in einem christlichen Land sich einer anderen Religion beugt. Dies stört mich nicht nur,das macht mir mittlerweile ein Angst. Da fragt man sich was als nächstes kommt. Kopftücher für alle? Man muss sich mal vor Augen halten,das wenn Atheisten wie ich schon auf die Straße gehen,um gegen eine Religion die sich in Deutschland verbreitet die nichts mit unserem Land zu tun hat zu kämpfen,ob es dann nicht schon nach 12 ist.