Judenhasser Arndt – Augen zu und durch

Peter Nied

Peter Nied

Ein Kommentar von Peter Nied

zu einem Antrag auf die Umbenennung der Straße „Ernst Moritz Arndt Weg“ in Solingen. Diese Straße liegt in einer der ersten Siedlungen des Spar und Bauverein Solingen.

Im Zuge der Anregung und Beschwerde nach § 24 GO NRW hatte ich einen Antrag an die Bezirksvertretung Burg / Höhscheid gestellt. Sinn und Zweck war die Suche nach einer Straße für den verstorbenen Solinger und ehemaligen Bundespräsident Walter Scheel. Unterstützung erbat ich beim amtierenden Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) und dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Spar und Bauverein Solingen Hans Werner Bertl (SPD). Der Oberbürgermeister ließ ausrichten, dass er es zur Kenntnis genommen hat und von Seiten des SBV kam leider keine Reaktion. Beides ist zu respektieren und soll auch nicht weiter kommentiert werden.

Die Beschlussvorlage der Bezirksvertretung liegt mir, dem Antragsteller nun vor:“ in der Sitzung der Bezirksvertretung Burg / Höhscheid wurde von Herrn Westeppe von der CDU der Antrag gestellt, Ihren Antrag abzulehnen. Gleichzeitig wurde der Antrag auf Schluss der Debatte gestellt. Somit war nur noch die Gelegenheit gegeben, gegen diesen Antrag zu sprechen. Das ist nicht geschehen. Darauf wurde über den Antrag der CDU abgestimmt. Ihr Antrag wurde darauf einstimmig abgelehnt. Eine Begründung dafür gibt es somit nicht.“

Das spricht für sich, muss respektiert werden und bedarf auch keines weiteren Kommentars. Bemerkenswert ist das einstimmige Ergebnis der Ablehnung. Das hat in der Vergangenheit bei „Arndt Debatten“ in vielen Städten ganz anders ausgesehen.

Wer sollte da nach Vorstellungen des Antragstellers in politischer Symbolik ausgetauscht werden?

Der Redakteur einer Solinger Zeitung schrieb am 5.11.2016, der Antragsteller würde antisemitische Tendenzen in den Schriften Arndt`s  sehen.

Ich zitiere den Autor Arndt:

“Man sollte die Einfuhr der Juden aus der Fremde in Deutschland schlechterdings verbieten und hindern. […] Die Juden als Juden passen nicht in diese Welt und in diese Staaten hinein, und darum will ich nicht, dass sie auf eine ungebührliche Weise in Deutschland vermehrt werden.

Ich will es aber auch deswegen nicht, weil sie ein durchaus fremdes Volk sind und weil ich den germanischen Stamm so sehr als möglich von fremdartigen Bestandteilen rein zu erhalten wünsche. “

Arndt, Ernst Moritz: Blick aus der Zeit auf die Zeit“, Germanien [vielm. Frankfurt a. M.: Eichenberg], 1814.

Das ist keine Tendenz sondern eine klare Aussage. Und  Ernst Moritz Arndt begrüßte auch Judenpogrome:

Nach neuen Erkenntnissen hatte Arndt Kontakt mit Heinrich Eugen Marcard – einem Militärrichter aus Minden – gehabt. Dieser entwickelte als einer der ersten ein antisemitisches Parteiprogramm und war selbst Initiator des Mindener Judenpogroms von 1843. Arndt stimmte Marcards Programm / Buch “in allen Punkten zu”. Zudem drohte Arndt 1848 sogar selbst  den Juden in einem Buch selbst mit “neuen” Pogromen. All dies wurde auf einer Podiumsdiskussion mit drei Geschichtswissenschaftlern aus Greifswald und Hamburg zusammengefasst. (Quelle: wikipedia)

Auch zur Zeit des nationalsozialistischen Deutschland zählen die Steigbügelhalter Hitlers zu den Bewunderern von Arndt: “Nur wenn wir so denken [wie Ernst Moritz Arndt], werden wir auch im Sinne des Führers unseres Volkes [Adolf Hitler] handeln […]. Das, was Ernst Moritz Arndt gewollt hat, geht zum guten Teil in unseren Tagen in Erfüllung. Aus seinem Geist heraus lebt nicht zum wenigsten die Gegenwart.“

Rektor, Prof. Dr. Heinrich Laag, am 28. Juni 1933. Aus: Greifswalder Universitätsreden 37, Greifswald 1933, S. 10 f.

Und noch ein Vorkämpfer aus unserer Nachbarstadt: “In Ernst Moritz Arndt, dem begeisterten Freiheitshelden und Vorkämpfer für das Dritte Reich, hat die heutige Jugend ein hinreißendes Beispiel von vaterländischer Begeisterung gefunden.”

Studiendirektor Walter anlässlich der Namensgebung des Remscheider Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums, zitiert nach Remscheider General-Anzeiger vom 29. September 1937 (Quelle)

Dabei argumentiert Arndt bereits in grundsätzlich rassischen Kategorien, wenn er schreibt:

„Erstlich ist jede zu häufige Mischung der Völker mit fremden Stoffen durchaus ein Verderben, das widerstreitende Triebe und Anlagen hervorbringt und die Eigenthümlichkeit und Kraft des Karakters eines Volkes zerstört.“

Ernst Moritz Arndt wird noch immer in der rechtsextremen Szene geehrt und verteidigt. Besonders stark drückt sich dies auf der größten dt. rechtsextremen Internetseite  aus. Dort heißt es etwa am 17.10.06:

„Arndts antijüdische Stellen beweisen, dass er ein Mann von weitsichtigem Charakter war, da diese Einschätzungen, wenngleich auch derb ausgedrückt, durchaus der Wahrheit entsprechen. Gerade die Geschichte des 20. Jahrhunderts beweist ja, dass den Juden allerhand erspart geblieben wäre, hätte man sich schon beizeiten die Warnungen Arndts zu eigen gemacht.“

Bei der Kampagne um die Umbenennung der Universität Greifswald waren übrigens die SPD und JUSOS die Gruppierungen, die sich uneingeschränkt für eine Umbenennung aussprachen. Da irritiert die Zurückhaltung der Solinger Genossen schon etwas.

Erstellt von am 23.11.2016.