Ein Jahr OB Kurzbach – Solingen im Dauerwahlkampf

Carsten Stoffel_2_swEin Kommentar von Carsten Stoffel

Solingen ist Spitze in NRW, hat keine Schulden, die besten Straßen, die Wirtschaft prosperiert und der Einzelhandel singt Lobeshymnen. Kurzum, es gibt keine Probleme. Wie, sie glauben das nicht? Doch, so muss es sein, zumindest dann, wenn ich mir die Aktivitäten unseres Oberbürgermeisters ansehe.

Wie schon im Wahlkampf lässt Kurzbach keine Gelegenheit aus, sich öffentlichkeitswirksam und Kameragerecht zu präsentieren. Ein Kameramann ist immer zufällig zugegen, scheint es.

Kurzbach spielt Gitarre, singt im Shanty-Chor, geht wandern, spielt Müllmann, Feuerwehrmann und Busfahrer. Er installiert das W-Lan im Rathaus, fährt öffentlichkeitswirksam mit dem Fahrrad zur Arbeit, oder er verbringt den Tag im OP des städtischen Klinikums, wo natürlich auch eine Kamera nicht fehlen darf. Repräsentative Termine fehlen auch nicht.

Ganz nebenbei ist Kurzbach Vorsitzender des Diözesanrates in Erzbistum Köln, Im Landesvorstand der NRW SPD, Vorsitzender der katholischen Jugendwerke e. V. und Aufsichtsratsvorsitzender der Katholischen Jugendagentur gGmbH, Arbeitsrichter am Arbeitsgericht Solingen, beim Deutschen Roten Kreuz und Mitinitiator und stellvertretender Vorsitzender des Vereins zur Förderung des traditionellen Solinger Brauchtums, Organisator unter anderem des „neuen“ Zöppkesmarktes.

Fazit: Wir haben entweder Superman ins Amt des Oberbürgermeisters gewählt, oder es gilt der alte Spruch, viele Hochzeiten machen keine glückliche Ehe. Irgendetwas muss dabei zwangsläufig auf der Strecke bleiben.

Das O-Quartier machte Kurzbach zur „Chefsache“ und stellte sich auf einen Erdhügel. Rumgekommen ist dabei herzlich wenig. Die erste Luftblase, weitere sollten folgen. Nicht zuletzt die gefloppte Bürgerbeteiligung lässt entsprechende Rückschlüsse zu, auch sein neuester Coup, die Finanzierung von Wohnraum, über besonders günstige Kredite der Sparkasse.

Offenbar rechnet der Oberbürgermeister auch hier bereits mit der massenhaften Verarmung weiter Bevölkerungsgruppen. Die „günstigen Kredite“ gibt es nämlich nur für neu geschaffenen Wohnraum, der im Anschluss an Menschen mit Wohnberechtigungsschein vermietet werden darf.
Es wären noch zahlreiche Probleme, die ich an dieser Stelle aufzählen könnte. Doch statt die Probleme anzugehen, sind wir in einer Art Dauerwahlkampf.

Ich jedenfalls sehe ihn lieber hinter dem Schreibtisch (arbeiten), statt vor der Kamera (als Entertainer).

Erstellt von am 29.10.2016.

4 Kommentare Ein Jahr OB Kurzbach – Solingen im Dauerwahlkampf

  1. BeaTe

    30/10/2016 bei 20:52

    Er hat doch seine Leute 🙂
    Ich finde Öffentlichkeitsarbeiot gar nicht so schlecht. Nah am Bürger!

  2. Ruediger

    01/11/2016 bei 08:49

    Da unser OB eh nichts alleine entscheiden kann,ist es egal wo er seine Arbeit tut.Er versteht es halt, sich in Szene zu setzen.Er kann jedenfalls nach seiner Amtszeit behaupten
    Ich war beim Bürger.

  3. schlafmütze

    03/11/2016 bei 00:40

    Was ist dagegen zu sagen, dass der OB sich für neuen Wohnraum für geringer Verdienende einsetzt???
    Das heißt doch nicht, dass er eine neue Armutswelle herbeireden will, sondern dass diejenigen, die jetzt aufgrund ihrer geringen Einkünfte in „Löchern“ wohnen müssen, in Zukunft anständigen Wohnraum erhalten.
    Ich finde das sehr positiv und längst überfällig.
    Und wenn der OB als Workaholic agiert, dann ist das seine Sache. Ist doch besser als ein Schreibtischtäter, der Dienst nach Vorschrift macht. Davon gibt es genug.

  4. DasVolk

    03/11/2016 bei 20:49

    Mir ist ein OB der viel unter den Bürgern agiert,lieber als die ganzen Politiker wie Merkel& Co die ihre geschützte rosa Pipilangstrumpfwelt nicht verlassen,und keine Ahnung von den Problemen ihrer Bürger haben. Solange es sich die Waage hält ,sehe ich da kein Problem