Mein Herz das ist ein Bienenhaus

Solingen/Zur Bienenhalle an der Burgerlandstraße können sicher die meisten Menschen aus der Südstadt eine ganz eigene Geschichte erzählen. So auch unser Zeitzeuge.

StadtarchivRosenberg

Die Geschichte der Bienenhalle ist natürlich auch immer mit der Vereinsgeschichte in Verbindung zu bringen. Der Verein war das Jagenberger Bienenkorps und wurde 1865 gegründet. Als die Imkerei zurück ging, wurde der Schützenverein Kameradschaft Biene daraus. Sogar eine eigene Sterbekasse gab es und das lockte viele neue Mitglieder an. In den Bienen waren bis zu 1.000 Mitglieder eingeschrieben. Die erste Bienenhalle, ein Holzbau, wurde 1888 gebaut und ein festes Gebäude folgte 1928. (Quelle Stadtarchiv Solingen)

Später wurden Vorderhaus und Halle als Gastronomie an einen freien Pächter abgegeben. So blieb das auch bis zum Abriss zwecks der neuen Reihenhäuser. Die Halle und der Platz wurden im Laufe der Jahrzehnte für alle möglichen Veranstaltungen vermietet. Eine LKW Show, eine Ausstellung der Bundeswehr oder als Start und Ziel für Wandertage.

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Der absolute Höhepunkt war jedoch die jährliche Bienenkirmes. Da lief alles nach einem festen Programm ab. Unser Zeitzeuge, ein Südstädter mit Herz und Seele, erinnert sich:“Meine ganze Verwandtschaft wohnte damals im Raum Krahenhöhe und einige Onkel waren Mitglied in Kameradschaft Biene. Da gab es Taschengeld für meine Cousinen und Vettern und die Kirmes wurde für uns zum absoluten Höhepunkt. Unsere Onkel feierten in der Bienenhalle und im kleinen Kellergeschoss war für die Tanten das Wespennest.

Als ich 1964 bei Carl Schlieper in die Lehre kam, sahen wir am Freitag immer aus dem Fenster. Da kam der große Festumzug mit den Kindern vom Turnerbund und den 800 Mitgliedern im schwarzen Anzug. Jetzt war die Kirmes eröffnet. Der Verein gab dienstags für die Kinder von zwei Waisenhäusern alles frei aus. Es gab ein Königsfrühstück. Der amtierende König wurde vom Verein mit einem Marsch (mein Herz das ist ein Bienenhaus…) abgeholt. Für die Damen gab es eine Modenschau in der Bienenhalle. Am Dienstag wurde der neue König geschossen (der stand schon vorher fest). Auf dem Festplatz gab es die Raupe und einige andere Fahrgeschäfte, wie kleinere Buden. Blinker, Türkischer Honig und Spielzeug gab es. Für den Bienenkönig war das alles eine sehr kostspielige Angelegenheit. Deshalb wurde ein einfacher Schleifer oder Fabrikarbeiter auch fast nie König. Aber für uns Kinder war es der Höhepunkt des Jahres.“

Im Sommer 1993 musste die Bienenhalle einer neuen Wohnbebauung weichen. Der Verein besteht auch weiterhin, wenn auch mit weniger Mitglieder und ohne die Kirmes. Aber die Erinnerungen sind wach.

Erstellt von am 22.08.2016.

Ein Kommentar Mein Herz das ist ein Bienenhaus

  1. Paul

    28/08/2016 bei 10:05

    Hättet ihr ja wenigstens den aktuellen Vereinsvorstand der Bienen hier mit Foto dazu vorstellen könnem