Solingen: Eine voll funktionstüchtige Handprothese aus dem 3D-Drucker

Solingen/ In einem Gemeinschaftsprojekt erarbeiten derzeit mehrere Kooperationspartner eine Armprothese für einen Mann in der Dominikanischen Republik. Beteiligt sind neben dem Sanitätshaus Köppchen und 3D-Druck-Solingen auch die Firmen trendlog, AUMAT Maschinenbau aus der Klingenstadt und die Indmatec GmbH aus Karlsruhe.

Im Rahmen eines Charity-Projektes produzieren derzeit mehgrere Kooperationspartner eine Hight-Tech-Handprothese für einen Mann mit Hadycap in der Dominikanischen Republik / Foto: Sanitätshaus Köppchen

Im Rahmen eines Charity-Projektes produzieren derzeit mehrere Kooperationspartner eine High-Tech-Handprothese für einen Mann mit Handycap in der Dominikanischen Republik / Foto: Sanitätshaus Köppchen

Die medizinische Versorgung in Ländern der Dritten Welt hat längst nicht das Niveau, das man in Europa gewohnt ist. Das gilt auch für Unfallopfer, denen Gliedmaßen amputiert werden müssen. Eine Prothese gibt es nicht immer und wenn, dann in der Regel ein einfaches Exemplar. So wäre es auch jenem Mann mittleren Alters in der Dominikanischen Republik ergangen, hätte er nicht den Düsseldorfer Wirtschaftsinformatiker Rainer Martin kennengelernt, der im Karibikstaat Urlaub machte.

„Er trat dann auf mich zu und hat mich gebeten, mehrere Teile zu drucken. Erst auf Nachfrage habe ich erfahren, dass diese Teile für eine Armprothese gedacht sind“, erzählt 3D-Druckexperte Werner Koch, Geschäftsführer der Solinger Firma trendlog. Was als spontane Idee begann, nahm plötzlich Fahrt auf. Weitere Unternehmen interessierten sich plötzlich für die Charity-Aktion und wollten einen Beitrag zur Erstellung einer Handprothese leisten.

Ziehen beim Bau der Prothese an einem Strang: v.li. Azubi Nils Schekel, Orthopädietechniker Sasche Gevelhoff, Azubi Joschka Jäger (alle Sanitätshaus Köppchen), Werner Koch (trendlog und 3D-Druck-Solingen) , Miriam Gatawetzki-Köppchen und Thomas Gatawetzki-Köppchen (Geschäftsführung Sanitätshaus Köppchen / Foto: B. Glumm

Ziehen beim Bau der Prothese an einem Strang: v.li. Azubi Nils Schekel, Orthopädietechniker Sascha Gevelhoff, Azubi Joschka Jäger (alle Sanitätshaus Köppchen), Werner Koch (trendlog und 3D-Druck-Solingen) , Miriam Gatawetzki-Köppchen und Thomas Gatawetzki-Köppchen (Geschäftsführung Sanitätshaus Köppchen) / Foto: B. Glumm

Während Rainer Martin die Montage der Teile und die Programmierung sowie die komplette Elektroinstallation der Prothese übernimmt, kümmern sich die Kooperationspartner um ihre jeweiligen Spezialgebiete.

„Inzwischen sind wir schon ziemlich weit. Ziel ist es, eine Hand zu kreieren, die für verschiedene Situationen geeignet ist“, so Koch weiter, der zudem das Netzwerk 3D-Druck-Solingen koordiniert. Der Clou: Das Projekt soll den Kostenrahmen nicht sprengen und sich an den Gegebenheiten des Heimatlandes des Patienten orientieren.

Denn die Prothese wird mit technischen Finessen ausgestattet sein, die dem Mann in der Dominikanischen Republik das Leben erheblich erleichtern sollen.

Dazu gehören beispielsweise voll bewegliche Finger. „Mit dem 3D-Druck haben wir die Möglichkeit, sehr schnell die Teile zu fertigen“, macht Werner Koch deutlich.

Die Handprothese soll sich per auf der Prothese angebrachter Tastatur, per Sprachbefehl und per Druckimpuls aus dem Armstumpf (Muskelkontraktion) steuern lassen / Foto: Sanitätshaus Köppchen

Die Handprothese soll sich per auf der Prothese angebrachter Tastatur, per Sprachbefehl und per Druckimpuls aus dem Armstumpf (Muskelkontraktion) steuern lassen / Foto: Sanitätshaus Köppchen

Die Handprothese soll sich per auf der Prothese angebrachter Tastatur, per Sprachbefehl und per Druckimpuls  aus dem Armstumpf (Muskelkontraktion) steuern lassen. So weit ist man allerdings noch nicht.

Damit die Prothese am Ende aber wirklich passt und auch funktioniert, müssen die Orthopädie-Spezialisten des Sanitätshauses Köppchen helfen. Die große Herausforderung: „Ein Abdruck des Stumpfes muss für die Erstellung der Prothese vor Ort in der Dominikanischen Republik vorgenommen werden“, sagt Miriam Gatawetzki-Köppchen vom Ohligser Sanitätshaus. Sonst machen die Gesundheitsexperten derartige Abdrucke stets im Haus an der Wilhelmstraße.

Dennoch eine Richtung, die die Kooperationspartner ohnehin einzuschlagen gedenken. Denn auch die Wartung oder die Reparatur der Prothese soll künftig ausschließlich in der Heimat des Trägers erfolgen. „Low-Budget-High-Tech“ nennen die Verantwortlichen mit viel Stolz ihre innovative Idee, die Schule machen soll.

„Es muss dabei selbstverständlich qualitativ hochwertig sein, damit sich so die Lebensqualität des Menschen verbessert“, unterstreicht Miriam Gatawetzki-Köppchen. Inzwischen haben sich auch der Solinger Maschinenbauer AUMAT und das Karlsruher 3D-Druckunternehmen indmatec der Kooperation angeschlossen.

Läuft alles nach Plan, dann kann der Mann in der Dominikanischen Republik in etwa einem halben Jahr seine neue Handprothese nutzen. Geht es nach den Verantwortlichen um Initiator Rainer Martin, sollen derartige Projekte in Zukunft zur Regel werden. (bgl)

Infos im Internet: www.3d-druck-solingen.de

Erstellt von am 28.04.2016.