Solingen: „Gräfrath hilft“ mit viel Know-how und noch mehr Leidenschaft

Solingen/ „Gräfrath hilft“ nennt sich eine ehrenamtliche Initiative, die im Stadtteil Flüchtlingen den Start in der neuen Heimat erleichtern will. Seit Februar können die vielen ehrenamtlichen Helfer dazu großzügige Räume einer ehemaligen Diskothek an der Wuppertaler Straße nutzen.

Jeden Samstag ist die Kleiderkammer in der ehemaligenb "Libelle" an der Wuppertaler Straße geöffnet. Bedürftige sich dann ab 14 Uhr mit Anzieh- und Spielsachen eindecken

Jeden Samstag ist die Kleiderkammer in der ehemaligen „Libelle“ an der Wuppertaler Straße geöffnet. Bedürftige können sich dann ab 14 Uhr mit Anzieh- und Spielsachen eindecken

Es ist schon einige Zeit her, dass in den Räumen der ehemaligen „Libelle“ an der Wuppertaler Straße getanzt und gefeiert wurde. Die Gräfrather Disko steht seit Jahren leer. Seit Anfang Februar wird der ehemalige Partytempel ganz anders genutzt. Die Initiative „Gräfrath hilft“ hat die Räume bezogen, die der ehrenamtlichen Bürgergruppe von Eigentümer Siegfried Lapawa mietfrei zur Verfügung gestellt werden. Die Stadtwerke haben zudem ein halbes Jahr die Kosten der Stromversorgung übernommen.

„Bei unserer Initiative ist fast jeder Gräfrather Verein und auch die Evangelische Kirche dabei“, freut sich Reinhard Burski von „Gräfrath hilft“. Die Räume an der Wuppertaler Straße werden jetzt unter anderem als Kleiderkammer genutzt. Jeden Samstag kommen die Menschen aus den Gräfrather Flüchtlingsunterkünften zur alten „Libelle“ und decken sich mit gespendeten Sachen ein.

„Wir kümmern uns sehr stark um die Zukunft der Menschen“, macht Burski deutlich. So bleibt es nicht beim Verteilen gebrauchter Anzieh- und Spielsachen. Ganz konkret gibt die Initiative auch Hilfestellungen für den Start in der neuen Heimat.

Kümmern sich um Menschen in Gräfrath, die Hilfe brauchen: v.li.: Reinhard Burski, Lisann Käsch, Heide Sousa und Gräfraths Bezirksbürgermeister Udo Vogtländer (SPD) / Fotos (2): B. Glumm

Kümmern sich gemeinsam mit zahlreichen Mitstreitern um Menschen in Gräfrath, die Hilfe brauchen: v.li. Reinhard Burski, Lisann Käsch, Heide Sousa und Gräfraths Bezirksbürgermeister Udo Vogtländer (SPD) / Fotos (2): B. Glumm

So finden viermal wöchentlich gut besuchte Sprachkurse statt. Wer sich beharrlich an der Teilnahme weigert, bekommt auch schon mal eine Ansage. „Wir dulden nicht, dass die Leute in Trägheit verfallen“, sagt Reinhard Burski. Überhaupt nehmen die Helfer kein Blatt vor den Mund wenn es darum geht, den Geflüchteten die Spielregeln in ihrer neuen Heimat zu erklären.

Zudem gibt es unter anderem Kinderbetreuungs- und auch Angebote für die Freizeitgestaltung sowie Unterstützung bei Behördengängen. Auch bei der Wohnungsvermittlung, dem Umzug aus der Notunterkunft und der anschließenden Möblierung der eigenen vier Wände hilft die Initiative mit Rat und Tat. Derzeit kümmert sich „Gräfrath hilft“ um rund 120 Menschen.

Diese Zahl könnte sich demnächst fast verdoppeln, wenn an der Nibelungenstraße das neue Holzhaus in Modulbauweise in Betrieb genommen wird. „Wir werden die Nibelungenstraße voll in unsere Betreuung aufnehmen“, verspricht Reinhard Burski.

Vorher sollen aber die unmittelbaren Anwohner über ihre neuen Nachbarn informiert werden. Die Stadtverwaltung hat dazu eine Bürgerinformation für den 19. Mai terminiert. „Das ist uns zu lange weg“, sagt Bezirksbürgermeister Udo Vogtländer (SPD).

Deshalb laden die hilfsbereiten Gräfrather alle Interessierten bereits am 21. März zu einem Runden Tisch in die Süßwarenfachschule ein. „Uns liegt sehr viel daran, diese Information zeitnah zu machen und so Ängste zu nehmen“, erklärt Vogtländer.

Übrigens: „Gräfrath hilft“ nicht nur Flüchtlingen. Das Angebot der Initiative richtet sich ebenso an Bedürftige, Hartz4-Empfänger oder Obdachlose, die keine Flüchtlingsgeschichte haben. Und das auch nicht nur in Gräfrath. (bgl)

Runder Tisch zur Flüchtlingsunterkunft an der Nibelungenstraße am 21. März, um 18 Uhr, in der Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft, De-Leuw-Straße 3. Die Veranstaltung ist offen, eine Voranmeldung ist nicht erforderlich.

„Gräfrath hilft“ auf Facebook

Erstellt von am 12.03.2016.