Solingen: Sonnenenergie soll die Busse der Klingenstadt bewegen

Solingen/ Die Stadtwerke Solingen, die Netze Solingen und die Stadt Solingen verfolgen gemeinsam mit mehreren Kooperationspartnern in einem einzigartigen Pilotprojekt das Ziel, den ÖPNV in Solingen zukünftig rein elektrisch und emissionsfrei zu gestalten.

Foto: SWS/Christian Beier

Wollen Solingens Busse mit Sonnenenergie bewegen: v.li. Conrad Troullier, Andreas Schwarberg, Manfred Krause und Matthias Lenz / Foto: SWS/Christian Beier

Um dies in den nächsten Jahren zu erreichen, wird der Verkehrsbetrieb der Stadtwerke Solingen verstärkt auf die Entwicklung und den Einsatz rein elektrischer Batterie-Oberleitungsbusse (BOB) im Linienbetrieb setzen.

„Im gleichen Zuge soll eine intelligente Netzsteuerung durch Kopplung des  (Gleichstrom) Oberleitungsnetzes und  des (Wechselstrom) Verteilnetzes realisiert werden“, erklärt Matthias Lenz, Geschäftsführer der SWS Netze Solingen GmbH. „Dadurch können wir alle Komponenten in beiden Netzen intelligent miteinander verknüpfen“, so Lenz weiter.

Was zurzeit noch ein wenig nach „Zukunftsmusik“ klingt, ist durch die gemeinsame Arbeit der Bergischen Universität Wuppertal (Fachbereich für elektrische Maschinen und Antriebe) und den Netzen Solingen einen entscheidenden Schritt weiter vorangekommen. Erstmalig haben die Netze Solingen eine Photovoltaikanlage (PV-Anlage) mittels eines Gleichstrom/Gleichstrom (DC/DC) Stellers an das Oberleitungsnetz angeschlossen.

„Der DC/DC Steller sorgt dafür, dass die Ausgangsspannung der PV-Anlage, die durch die stark unterschiedliche Sonneneinstrahlung großen Spannungsschwankungen unterliegt, automatisch und individuell auf das Spannungsniveau der Oberleitung angepasst wird“, erklärt Jan Dworacek, Projektleiter bei den Netzen Solingen.

„Die intelligente Verknüpfung des Verkehrs- und Energiesektors ermöglicht es uns z.B. zukünftig das Ladeverhalten der BOB je nach Verfügbarkeit von PV-Strom zu steuern“, so Dworacek weiter.

Die Hauptaufgabe der Netze Solingen besteht also zurzeit genau darin, die dauerhafte und direkte gleichstromseitige (DC-seitige) Einspeisung von Photovoltaikstrom ins Oberleitungsnetz unter Berücksichtigung der sonnenbedingten Spannungsschwankungen zu ermöglichen.

„Gleichzeitig könnte diese neue Technologie auch ein entscheidender Schritt bei der Ausgestaltung der Energiewende sein“, erläutert Manfred Krause, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Stadtwerke Solingen.

„Die in Deutschland forcierte Energiewende stellt die Energieversorgungs-unternehmen vor die Herausforderung, die Energieversorgung auf regenative Energieträger umzustellen und dadurch die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern zu minimieren“, so Krause weiter.

In der Regel speisen aber kleine, regenerative Energieerzeugungsanlagen nicht gebündelt an einem Ort in das Mittel-, Hoch- oder Höchstspannungsnetz ein, wie es bei klassischen Kraftwerken der Fall ist, sondern stellen ihre Energie dezentral im näheren Umkreis im Nieder- oder Mittelspannungsnetz zur Verfügung.

Durch die steigende Vielzahl solcher dezentralen Energieerzeugungs-Anlagen kann die Netzstabilität auf Dauer gefährdet sein. Daher ist in Zukunft ein Netzausbau oder die Entwicklung von intelligenten Netzen (Smart Grids) unausweichlich. Hierfür stellt die Leistungselektronik des DC/DC Stellers einen ersten Meilenstein für Solingen dar.

Denn die neue Technik soll zukünftig dafür Sorge tragen, dass vermehrt Photovoltaikstrom ins Oberleitungsnetz eingespeist werden kann. Durch die zusätzliche Verteilungsmöglichkeit von PV-Strom wird das Verteilnetz entlastet und der Verteilnetzausbau kann minimiert werden.

Dies sei ein wichtiger Beitrag für eine ökologische, sichere und effiziente Stromversorgung der Solinger Bürgerinnen und Bürger und ein erster Meilenstein hin zur Vision „SmartCity Solingen“.

Erstellt von am 23.02.2016.

4 Kommentare Solingen: Sonnenenergie soll die Busse der Klingenstadt bewegen

  1. Michael

    24/02/2016 bei 13:20

    Ich hoffe dann kommt auch mal der Dackel auf Solingens Straßen. Auch bekannt, bzw. konkret Solaris Urbino Electric.
    https://www.solarisbus.com/vehicles_group/urbino-electric
    Den Solaris Trollino konnte ich in Eberswalde schon testen. 🙂

    • Reiner Nießen

      25/02/2016 bei 15:19

      Der Solaris Urbino electric dürfte nicht geeignet sein, da er nicht direkt an der Oberleitung fahren kann. Es ist ja gerade der große Vorteil der angestrebten Lösung, auf den Oberleitungsstrecken den teuren und verlustreichen Umweg über Batterien zu sparen.

      • Michael

        25/02/2016 bei 22:13

        Ich denke auf Anfrage wird er das können. Alternativ ne abgewandelte Form vom Trollino mit eingebauten, größeren Akkus als die standardmäßigen 5 km.

        Ich war auch erstaunt, als ich erfuhr, dass im Allgemeinen (bei allen Herstellern) Busse auf Anfrage nach Vorstellungen der Verkehrsunternehmen hergestellt werden. Die können z. B. auch entscheiden wie viele Türen der Bus haben soll, Einzel- oder Doppeltüren, wie die Sitzanordnung ist, mit oder ohne Klimaanlage und vieles andere mehr. Da werden die sicher auch ne Mischung vom Trollino und Urbino Electric bauen können.

        Wenn die es doch nicht hinbekommen sollten, halt von nem anderen Hersteller. Ich finde die Idee, die vorhandenen O-Bus-Leitungen da wo vorhanden auch von den 69x-Linien mitzubenutzen auf jeden Fall gut. Hatte u.a. das mal vorgeschlagen als vor, ich meine über einem Jahr, ne Umfrage war, was Solingen zum Umweltschutz beitragen könnte. Dass das Ein- und Ausfädeln auf Knopfdruck klappt, sieht man ja am 683.

  2. T. Becker

    01/03/2016 bei 12:28

    Schön, dass man sich in Solingen jetzt auch umweltfreundlich aufstellt.