Solingen: Flüchtlingshaus Zietenstraße – Anwohner verunsichert

Solingen/ In eine gut besuchte Dorper Kirche lud die Verwaltung am Mittwochabend Anwohner der Zietenstraße ein, um über die Details rund um die Errichtung eines Holzhauses in Modulbauweise für Flüchtlinge zu informieren. Die anschließende Diskussion mit den Bürgern verlief überwiegend sachlich.

Häuser wie dieses in Münster werden an der Jasper- und auch an der Zietenstraße demnächst errichtet / Foto: Stadt Solingen

Häuser wie dieses in Münster werden demnächst an der Jasper- und an der Zietenstraße errichtet / Foto: Stadt Solingen

Die Stadtverwaltung hat aus der Bürgerinformation im PZ des Schulzentrums Vogelsang vergangene Woche gelernt. Ging es dort mitunter hoch emotional und teils am Rande einer gesunden Diskussionskultur her, verlief die Veranstaltung mit Moderatorin Julitta Münch am Mittwochabend in der sehr gut besuchten Dorper Kirche meist sachlich und war gut strukturiert.

Dazu trug auch der Umstand bei, dass Sozialdezernent Jan Welzel schon zu Beginn der Veranstaltung den Bürgern deutlich machte, dass eine Diskussion über den Standort der Flüchtlingsunterkunft müßig sei. Denn daran sei eben nicht mehr zu rütteln. Wie an der Jasperstraße in Wald soll auch auf dem Parkplatz am Sportplatz an der Zietenstraße demnächst ein Holzhaus in Modulbauweise für Flüchtlinge errichtet werden.

Und dieses soll baugleich wie jenes sein, das an der Jasperstraße errichtet wird. Bei der Auswahl des Grundstückes mussten für die Stadtverwaltung verschiedene Kriterien zutreffen. „Das Grundstück musste schnell bebaubar sein“, erklärte Lutz Peters, Pressesprecher der Stadt Solingen.

Außerdem seien ein ebenes Gelände und eine gute infrastrukturelle Einbettung maßgeblich für die von der Verwaltung getroffenen Entscheidungen. Im Flüchtlingshaus werden in 21 Wohnungen rund 100 Menschen untergebracht werden.

Der zweistöckige Bau hat eine Länge von 40 Metern. In das obere Stockwerk führen außerdem Außenleitern. „Auf jeder Etage gibt es einen Sozialbereich“, so Lutz Peters weiter. Die versammelten Anwohner interessierte zunächst, wie lange die Menschen im Holzhaus bleiben werden und ob es sich um Familien oder doch eher um junge alleinstehende Männer handeln werde.

„In der Hauptsache werden das Familien sein. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass dort auch junge Männer einziehen werden“, machte Jürgen Albermann, Leiter des Stadtdienstes Soziales, deutlich. Auch sei eine Fluktuation der Bewohner nicht zu vermeiden.

Ein Anwohner der Klingenstraße sorgte sich um die Integration der Flüchtlinge. „Die Zietenstraße ist ja auch ein gutes Beispiel dafür, wie Integration zum Teil nicht gelungen ist“, beklagte sich der junge Mann mit Blick auf das sozial angespannte Klima im Viertel, das mit dem Zuzug von Flüchtlingen noch einmal verschärft werden könnte. Ein Anwohner der Vogtlandstraße äußerte ganz konkrete Sorgen:

„Ich habe Angst um mein Eigentum, ich habe Angst um meine Ruhe.“ Vertreter der Hauptschule Höhscheid versuchten derartige Sorgen zu entkräften und berichteten den versammelten Bürgern, dass es im Zusammenleben mit den Flüchtlingen in der Sporthalle an der Krahenhöhe bisher zu keinerlei Problemen gekommen sei.

In Sachen Integration bekräftigten alle Verantwortlichen, an einem Strang ziehen zu wollen. So wird auch hier der Bürgerverein Rund um die Zietenstraße e.V. maßgeblich in die Bresche springen und seine langjährige Erfahrung in der Integrationsarbeit in die Waagschale werfen. Ansprechpartnerin vor Ort wird Eva Thomas sein. (bgl)

Erstellt von am 04.02.2016.

4 Kommentare Solingen: Flüchtlingshaus Zietenstraße – Anwohner verunsichert

  1. Osiris

    04/02/2016 bei 14:28

    Leider war dieser Infoabend letztendlich reine Zeitverschwendung. Zum Einen weil man die Menschen vor vollendete Tatsachen stellte und zum Anderen weil sämtlichen kritische Fragen ausgewichen wurde.
    So die Fragen nach Ordnung und Sicherheit, ob man genau die Identität der Personen weiß, zumal die Asylverfahren noch gar nicht abgeschlossen sind, oder auch welche Wertminderung die eigenen Immobilien haben durch den Bau dieses Komplexes.
    Es war eine „Märchenstunde“ der Politiker und Gutmenschen die alles in allem durch die rosarote Integrationsbrille sehen. Leider glaubte so mancher der Anwesenden eben nicht nur an die gute Fee sondern auch und vor allem an den bösen Wolf. Skeptiker und Gegner des geplanten Flüchtlingshauses konnten sich äußern – keine Frage, aber die Redezeit war, verglichen mit der der ehrenamtlichen Gutmenschen eher begrenzt. Die Zusagen und Absichten der Politik und Stadtverwaltung wurden alle sehr schwammig gehalten. „Wir werden…; wir sind am überlegen; das ist noch nicht entschieden und wird noch in den Gremien diskutiert; im Rahmen des Möglichen werden wir…“ usw. – Auch wollte man offensichtlich nicht wirklich auf eine Anfrage eingehen, wonach auf der Felder Straße ebenfalls Asylanten untergebrachte werden sollen.
    Nach dem was sich da abzeichnet, schaffen unsere Volksvertreter es ohne Probleme uns wieder mal eiskalt abzuspeisen. „Mutti Merkel“, „Tante Hannelore“ und „Onkel Tim“ werden das schon schaffen…

  2. Ein Solinger von einem anderen Kontinent

    05/02/2016 bei 00:40

    Mit großem Interesse habe ich heute den Artikel im Solinger Boten über
    „Das Flüchtlingshaus Zietenstrasse“ gelesen mit dem ersten Kommentar und den Befürchtungen der Anlieger.

    Die Befürchtungen kann ich sehr gut nach vollziehen!

    Ich habe in den vergangenen 45 Jahren in 50 Länder dieser Welt gelebt und zum großen Teil auch gearbeitet.
    Wir leben seit vielen Jahren schon nicht mehr in Deutschland.

    Der Hauptgrund ist die physikalische Kälte (brrr!) , aber seit ein paar Jahren kommt auch noch eine andere viel schlimmer zu empfindende Kälte dazu. Das könnt Ihr vor Ort bestimmt noch viel besser empfinden?

    Es geht beim Project Zieten Strasse oder anderen bei Euch nicht um die Größe, oder das Wo oder das Wie.

    Geht es geht darum „Flüchtlinge“ oder anders Genannte in einem normal gewachsenen Umfeld in Solingen unterzubringen zu „müssen“ oder zu „wollen“ und zu INTEGRIEREN!.

    Es handelt sich um die Integration anderer KULTUREN.

    Wer soll sich anpassen?

    – Die Solinger Bürger an die Kultur des Islam, der dominantesten Religion der Neuankömmlinge?

    Der Islam ist keine Rasse! Es ist also kein Rassismus, über so etwas zu sprechen oder zu diskutieren geht am Thema vorbei..

    – Oder aber die Neuankömmlinge an die Kultur in Deutschland, also bei Euch In Solingen?

    Heute kam bei Roland Tichy http://www.rolandtichy,de , dem früheren Chefredakteur der Wirtschaftwoche ein sehr interessanter Artikel einer sehr jungen aber auch sehr intelligenten Mitarbeiterin den folgenden Beitrag, den Sie sich mal durchlesen sollten über die Moral in unserem noch so schönem Deutschland.

    http://www.rolandtichy.de/gastbeitrag/warum-moral-in-der-fluechtlingsfrage-kein-guter-ratgeber-ist/

    Zofft Euch nicht! Arbeitet miteinander, nicht gegeneinander!
    Geht am Wieberfastnacht noch ein Bier (oder mehr trinken) und geht zu Fuss nach Haus.

    In dem Sinne, viele liebe Grüße y

    Saludos vom Rio de la Plata wo gerade die Sonne im Meer versinkt

  3. Björn

    06/02/2016 bei 14:08

    „Dazu trug auch der Umstand bei, dass Sozialdezernent Jan Welzel schon zu Beginn der Veranstaltung den Bürgern deutlich machte, dass eine Diskussion über den Standort der Flüchtlingsunterkunft müßig sei. Denn daran sei eben nicht mehr zu rütteln.“
    Eine beeindruckende Aussage. Ob dies im Hinblick auf die rechtlichen Rahmenbedingungen auch zutreffend ist, sei mal dahingestellt. Wäre ich betroffen, würde ich mich (gegebenenfalls gemeinsam mit meinen Nachbarn) jedenfalls ganz schnell rechtlich beraten lassen, bevor Fakten geschaffen werden, die man im nachhinein nur schwer beseitigen kann.

  4. Manfred Richter

    07/02/2016 bei 00:49

    Sie sehen das vollkommen richtig, Björn.
    Dass an den Standorten der Flüchtligshäuser nicht zu rütteln ist, darf ruhig bezweifelt werden. Hier wird versucht, eine Lex Welzel mit allen Mitteln und gegen jeden Widerstand durchzusetzen. Aber auch die Stadt Solingen hat bei ihren Baumaßnahmen Recht und Gesetz zu beachten. Schon die Standortplanung verstößt gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Hier werden bestehende soziale Brennpunkte erheblich verschärft (Zietenstraße, Jasperstraße, Schwabenstraße) bzw. neue soziale Brennpunkte geschaffen Katternberg, Nibelungenstraße, Spielbruch). Lediglich die geplante Maßnahme auf der Neuenkamper Straße scheint mit ein wenig Intelligenz geplant worden zu sein.
    Zurück zum Thema. Die Stadt muß die ihr zugewiesenen Flüchtlinge unterbringen. Dies steht auch nicht zur Diskussion. Aber die vorpreschende Planung mit der Festlegung der Standorte per Dekret ist außerhalb jeder Norm eines demokratischen Miteinanders, auf das sich Herr Welzel so gerne beruft. Die Standorte sind längst nicht so fest zementiert, wie es Herr Welzel vorgaukelt. Hierzu ist nur der Standort Kovelenberg zu nennen, der per Order aus der Planung genommen wurde. Also ist auch bei allen anderen geplanten Maßnahmen noch nicht das letzte Wort gesprochen. Die Verwaltung verletzt mit ihren Beschlüssen die Rechte der betroffenen Anwohner und verstößt gegen die Sorgfaltspflicht. Soweit der Bebauungsplan des jeweiligen Standortes die Nutzung als Asylantenheim nicht vorsieht, kann dagegen geklagt werden. Weiterhin ist auch für diese Bauten eine Baugenehmigung erforderlich. Hiergegen können sich die betroffenen Nachbarn ebenfalls mit einer Klage zur Wehr setzen, da hier substantiell gegen deren Sicherheitsinteressen durch Schaffung einer Gefährdungslage verstoßen wird.
    Dies wurde ja in den vergangenen Tagen eindrucksvoll von den betroffenen Anwohnern der Zietenstraße geschildert. Drogenhandel, Vandalismus und Belästigung junger Frauen sind demnach dort das Normalprogramm. Aber immerhin setzt die Verwaltung dem eine Sozialarbeiterin in Teilzeit entgegen. Wie sagte es Herr Welzel so schön? Die Stadt Solingen sieht keinen Bedarf, die Sicherheit der Anwohner zu verbessern…