Solingen: „Ist das möglich?“ – Experimentier-Ausstellung im Industriemuseum

Solingen/ von Martina Hörle – Zu früh auf den Buzzer hauen? Das gibt Strafpunkte. Diese Erfahrung konnte man jetzt bei der Eröffnung der Experimentier-Ausstellung in der Gesenkschmiede Hendrichs machen.

An dieser Wand ist der Startpunkt des Parcours. Hinter jedem der Löcher ist ein anderes Material, das man erfühlen muss. Die Lösung kann man auf der Rückseite hinter einer Klappe finden.

An dieser Wand ist der Startpunkt des Parcours. Hinter jedem der Löcher ist ein anderes Material, das man erfühlen muss. Die Lösung kann man auf der Rückseite hinter einer Klappe finden.

„Der Ausgangspunkt dieser Ausstellung ist nicht das Objekt, sondern der Besucher“, erläuterte Nicole Scheda, die Kuratorin der Ausstellung und Beauftragte des Bundesverbands Museumspädagogik e. V.  für den Themenbereich „Kinder- und Jugendmuseum“.

„Das war der Ursprung für unsere Idee – es sollte eine Ausstellung für Schüler sein. Schulen sind für uns wichtige Partner und wir nehmen unseren Bildungsauftrag als außerschulischer Lernort sehr ernst. Deshalb haben wir auch das MINT-Thema aufgegriffen. Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sind wichtige Fächer. In unserem Konzept gehen wir von Gruppen bis zu 30 Personen aus. Eine Gruppe geht anders durch ein Museum als Einzelpersonen. Aus diesem Grund sind vier Mitarbeiter mit der Aufgabe betreut worden, die Klasse als Ausstellungsscout durch die einzelnen Stationen zu leiten und Fragen zu beantworten.“

Die Ausstellung ist wie ein Parcours mit acht Stationen eingerichtet. Alle Stationen sind auf die gleiche Art aufgebaut worden. Überall gibt es interaktive Elemente, die entweder als Experiment oder als Spiel gestaltet sind. Das Thema wird in verschiedene Experimente aufgeteilt, damit mehrere Schüler gleichzeitig etwas tun können.

Beim Startpunkt des Parcours geht es um „Material fühlen“. Der Teilnehmer steht vor einer Art Torwand mit vielen Feldern, greift mit der Hand durch das Loch auf einem beliebigen Feld und muss fühlen, welches Material sich dahinter verbirgt. Die Auflösung ist auf der Rückseite zu finden.

Mit dieser Lupenkamera wird das Material 400fach vergrößert und das Bild auf einem Monitor angezeigt. Und dann sieht man das Material mit ganz anderen Augen.

Mit dieser Lupenkamera wird das Material 400fach vergrößert und das Bild auf einem Monitor angezeigt. Und dann sieht man das Material mit ganz anderen Augen.

Bei der nächsten Übung geht es um „Material sehen“. Mit einer Lupenkamera kann man verschiedene Materialien 400fach vergrößern. Dadurch werden auch unspektakuläre Dinge wie Baumwolle spannend.

An anderen Punkten muss man eine tragende Struktur erstellen. Dann gibt es Experimente mit einem Fallhammer und seiner Auswirkung auf Papier, Blech und Kevlar (einem sehr widerstandsfähigen Stoff). So kann man prüfen, wie sich früher die Ritter schützen konnten oder heute Polizeibeamte.

Das ist ein Originalrad der Berliner U-Bahn. Mit so einem Holzhämmerchen haben die Streckenarbeiter früher das Rad auf Schäden untersucht.

Das ist ein Originalrad der Berliner U-Bahn. Mit so einem Holzhämmerchen haben die Streckenarbeiter früher das Rad auf Schäden untersucht.

„Wir haben lange an den Experimenten getüftelt. Es sollte keine Variante der Phänomenta sein. Unsere Versuche sind alle Unikate“, so Nicole Scheda.

Die Materialprüfung über Schall funktioniert so: Schlägt man mit einem Holzhämmerchen vor Glas oder Porzellan, kann man am Klang hören, ob das Material beschädigt ist. Es gibt auch ein Originalrad der Berliner U-Bahn. Streckenarbeiter haben früher auf die gleiche Weise den Zustand der Räder geprüft.

Diese Materialien werden auf ihren Schutz bzw. ihre Durchlässigkeit auf Sonnenstrahlen getestet.

Diese Materialien werden auf ihren Schutz bzw. ihre Durchlässigkeit auf Sonnenstrahlen getestet.

Im Vergleich dazu findet der Test mit Ultraschall statt. In einem Eisenstück wird auf die Art nach einem Schnitt gesucht. Dazu kann man sich auch ein 8minütiges Video ansehen.

Diese und noch eine Reihe weiterer Experimente können im Parcours erprobt werden. Und jede Station ist hochinteressant.

Am Ende der Ausstellung ist ein nachgestelltes Fernsehstudio aufgebaut. Vier Kandidaten oder Teams treten in einem Quiz gegeneinander an. Der Moderator stellt Fragen zu den Themen der einzelnen Stationen. Es gibt jeweils vier Antworten. Wer die richtige Lösung weiß, haut schnell auf den Buzzer. Aber Vorsicht: Es gibt auch Strafpunkte.

Hier demonstriert Nicole Scheda das Quiz. So ähnlich kennt man es aus dem Fernsehen. Die falsche Antwort ist rot hinterlegt, die richtige grün.

Hier demonstriert Nicole Scheda das Quiz. So ähnlich kennt man es aus dem Fernsehen. Die falsche Antwort ist rot hinterlegt, die richtige grün.

Vor drei Jahren wurde mit der Vorbereitung der Ausstellung begonnen. Weil es eine Wanderausstellung sein sollte, muss sie schnell zusammengebaut werden und gut zu transportieren sein. 2014 war sie in Engelskirchen zu sehen, im letzten Jahr in Oberhausen. Dieses Jahr ist Solingen an der Reihe.

„Wir mussten feststellen, dass die Besuchszahlen rückläufig waren. Dem wollten wir entgegenwirken. Gerade in den naturwissenschaftlichen Bereichen gibt es einen immensen Bedarf“, berichtete Dr. Jochem Putsch, der Leiter des Industriemuseums. „Deshalb haben wir einen Weg gesucht, auf diesen Bedarf im Bildungssystem zu reagieren. Das Ergebnis ist unsere Technik-Ausstellung, in der sich alles um Materialien dreht.“

Dr. Jochem Putsch und Nicole Scheda erläutern die Hintergründe der Technik-Ausstellung. / Fotos (6): B. Glumm

Dr. Jochem Putsch und Nicole Scheda erläutern die Hintergründe der Technik-Ausstellung. / Fotos (6): B. Glumm

Die Schüler sollen bei den Experimenten erleben, dass ein Museumsbesuch viel Spaß machen kann und man auch noch etwas dabei lernt. Für Lehrer der naturwissenschaftlichen Fächer kann so ein Museumsbesuch eine interessante Ergänzung zum Unterricht sein. Ein moderierter Rundgang kostet 65 € für eine Klasse. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung ist für Schüler ab der 3. Klasse geeignet.

Für Schulklassen und Kindergruppen ist die Buchung eines moderierten Rundgangs mit Quizshow bei kulturinfo rheinland erforderlich. (mh)

Kontaktdaten:

Tel. 02234 9921-555 oder mail: info@kulturinfo-rheinland.de

Die Ausstellung ist ab Freitag, dem 15. Januar geöffnet.

Öffnungszeiten:

DI – FR von 10 – 17 Uhr, für Schulklassen schon ab 9 Uhr

SA / SO von 11 – 18 Uhr

 

Fotos der Galerie: Martina Hörle

Erstellt von am 15.01.2016.