Güterhallen: „Wortkunst“ – erste gemeinsame Lesung der Gebrüder Lamour

Solingen/ von Martina Hörle – Am Samstagabend gab es für die Gebrüder Lamour eine Premiere. Aus Anlass der Ausstellung „Mensch – Werk“ von Janine Werner und Marcel Lamour lasen die Brüder Boris und Marcel Lamour gemeinsam aus ihren Werken.

2013 hat Boris Lamour seine ersten skurrilen Kurzgeschichten „Das Atmen der Schatten“ als Ebook veröffentlicht. Hierin schildert er Alpträume zwischen Traum und Realität. Am 24.01.2016 erscheint der erste Band von Marcel Lamour, „Das Ich in mir“ – auf der Suche nach dem Selbst im Chaos Mensch, eine Sammlung aus Kurzgeschichten, Aphorismen, Kurzwerken, Gedichten und Wortbildern, ebenfalls in digitaler Form.

Am Samstagabend lasen die Brüder Marcel (li.) und Boris Lamour zum ersten Mal gemeinsam ihre Werke vor.

Am Samstagabend lasen die Brüder Marcel (li.) und Boris Lamour zum ersten Mal gemeinsam ihre Werke vor.

Boris Lamour übernahm die Begrüßung zur Lesung der Gebrüder Lamour und schilderte den rund 30 Zuhörern, warum man sich zu dem Namen Gebrüder entschlossen hatte. Entstanden ist die Idee bei einer Gemeinschaftsarbeit der beiden. Als Boris 2013 seinen ersten Kurzgeschichtenband herausbrachte, hat sein Bruder Marcel dazu das Cover entworfen.

Da es sich um eine Gemeinschaftsarbeit der Brüder handelte, fanden sie als Namen „Gebrüder Lamour“ passend. Auch ihre Geschichten sind zum Teil so geschrieben, dass Elemente aus beiden Werken ineinander verzahnen.

Für diesen Abend hatten sich die beiden für eine gemischte Auswahl ihrer Texte entschieden. Es gab Geschichten, Gedichte und Aphorismen, wobei jeder eigene Texte und auch die des jeweils anderen vortrug. Manche Werke lasen sie auch gemeinsam. Für einen weiteren Text nach der Pause wurde ein Gastsprecher angekündigt, aber noch nicht benannt.

Auch wenn die Texte nicht unmittelbar einen Bezug zu den Werken der Ausstellung hatten, ging es um das Thema „Blicke in das menschliche Wesen“. Den Anfang machte Boris Lamour mit der Geschichte „Der Zirkus“. Sie handelt vom Leben eines Jungen beim Zirkus. Anschauliche Beschreibungen ließen beim Zuhörer schnell ein Bild erscheinen.

So hieß es, dass der Junge so groß sei wie die Beine der Pferde hoch. Auch Kontraste wurden wirkungsvoll eingesetzt. Auf der einen Seite schilderte der Autor die Trauer des Kindes beim Tod eines Pferdes, gleichzeitig hörte der Junge das Zwitschern der Vögel. Mit tiefer Stimme las Boris langsam und akzentuiert. Wohlgesetzte Pausen steigerten die Spannung.

Bevor Marcel Lamour mit der Geschichte „Ganz unten“ von den Gedanken eines Busfahrers berichtete, der seinen Beruf hasst, gab es ein paar kurze Gedichte.

Boris (li.) und Marcel Lamour tragen einige ihrer Texte gemeinsam vor.

Boris (li.) und Marcel Lamour tragen einige ihrer Texte gemeinsam vor.

„Der Hausmeister“, eine Geschichte von Boris Lamour, die er mit der Bemerkung angekündigte: „Die Leute in der Geschichte wollen Sie nicht kennenlernen, aber wir lesen Ihnen trotzdem davon vor.“ Während Marcel die Worte des Erzählers übernahm, sorgte Boris in der Rolle des Nerv tötenden Hausmeisters mit anmaßenden Äußerungen dafür, dass die Interessenten für die Wohnung schnell das Weite suchten.

Das letzte Stück vor der Pause, „Der Kontrolleur“, schilderte in detaillierter Form unwirkliche Situationen eines Fahrgastes. Sei es das eigenartige Verhalten des Kontrolleurs oder die nicht erkennbare Person, die regungslos auf ihrem Platz sitzt – auf subtile Weise gelang es dem Autoren, ein Gruseln beim Zuhörer hervorzurufen.

Der Fahrgast, der nicht aus dem Zug aussteigen kann, gerät immer wieder in Situationen, wie man sie aus luziden Träumen kennt. Kann er der Gefahr entfliehen? Ist er überhaupt in Gefahr? Oder wacht er am Schluss einfach auf? Marcel Lamour ließ seine Zuhörer bis zum letzten Moment in der großen Ungewissheit.

Nach der Pause trug der Gastleser Herbert A. Bruns eines der Gedichte von Marcel Lamour vor. „Wahrscheinlich Sommer“ handelt von den deprimierenden Vorgängen der Hitze im Sommer. Mit völlig übertriebener Gesichtsmimik trug Bruns das Gedicht vor und machte die darin enthaltene Komik mehr als deutlich.

Herbert A. Bruns trägt das Werk von Marcel Lamour mit stark übertriebener Gesichtsmimik vor und verstärkt dadurch die im Text enthaltene Komik.

Herbert A. Bruns trägt das Werk von Marcel Lamour mit stark übertriebener Gesichtsmimik vor und verstärkt dadurch die im Text enthaltene Komik.

Besonders angetan waren die Zuhörer von der Geschichte „Guten Tag“, eine Familiengeschichte, geschrieben 1995 von Marcel Lamour, vorgetragen von seinem Bruder Boris. Sie handelt von den vielen Vorkommnissen einer aus Vater, Onkel, Bruder und Schwester bestehenden Familie und beschreibt, wie durch die Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum ein Familienmitglied plötzlich sympathisch wird. Eine wirklich spaßige Schilderung eines zugegebenermaßen unappetitlichen Vorgangs, die das Publikum zum Lachen brachte.

Während einige der Texte sehr spannend waren, hatte das Publikum bei anderen Geschichten viel zu lachen. / Fotos (4): M. Hörle

Während einige der Texte sehr spannend waren, hatte das Publikum bei anderen Geschichten viel zu lachen. / Fotos (4): M. Hörle

Die Lesung der Gebrüder Lamour war eine sehr ausgewogene Mischung von amüsanten und skurrilen Texten, die die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen ließen und den Zuhörer über äußere Grenzen mit ins Innere des Menschen nahmen.

Noch zwei weitere Ebooks werden erscheinen. Dann, so ist es geplant, werden die vier digitalen Werke zu einen Buch verarbeitet. Der genaue Termin steht aber noch nicht fest. Einige der verfassten Texte sowie weitere Informationen zu den beiden Autoren gibt es unter www.gbrl-art.de oder auf Facebook. (mh)

Fotos der Galerie: Martina Hörle

Erstellt von am 10.01.2016.