Solingen: Alte Straßenbahnbrücke kontrolliert eingestürzt

Solingen/ In den vergangenen Tagen, unbemerkt von der Öffentlichkeit, hatten Arbeiter damit begonnen, die ehemalige Straßenbahnbrücke in Müngsten abzureißen.

Kontrolliert wurde die Brücke Grunenburg zu Wasser gelassen. Bild: Andre Seiffarth

Kontrolliert wurde die Brücke Grunenburg zu Wasser gelassen. Bild: Andre Seiffarth

Die Brücke Grunenburg wurde 1891 gebaut und diente dem Straßenbahnverkehr zwischen Ronsdorf und Solingen als Querung über die Wupper. Direkt an der Brücke befand sich in den ersten jahren des vergangenen Jahrhunderts das Kraftwerk Grunenburg, welches über die Straßenbahn mit Kohle versorgt wurde. Später, 1907, wurde die Strecke über Theegarten bis zur Krahenhöhe verlängert, wo es nach unbestätigten Quellen einen Gleisanschluss an die Solinger Straßenbahn gegeben haben soll.

Bereits im Jahre 1916 wurde der Personenverkehr nach Solingen jedoch wieder eingestellt. Da auch das Kraftwerk ab 1923 nicht mehr mit Kohle versorgt werden musste, erfüllt das Bauwerk seit dieser Zeit keine Funktion mehr und rostet vor sich hin.

Im Jahr 2008 kam dann noch einmal Bewegung in die Sache. Eine Bürgerinitiative hatte versucht, das Bauwerk zu erwerben und als Radweg nutzbar zu machen.  Der Verkauf scheiterte jedoch, so dass nur noch der Rückbau der Brücke übrig blieb.

In der vergangenen Woche hatten Arbeiter dann versucht die Brücke zur Sprengung vorzubereiten, so die Stadt Solingen auf Nachfrage unserer Redaktion. Dabei hatten die Verantwortlichen dann kurzerhand entschieden, das Bauwerk kontrolliert in die Wupper zu legen. Alles andere sei zu gefährlich, hieß es. Gesprengt werden sollen die Reste aber dennoch, hieß es aus dem Rathaus.

Damit endet nach 124 Jahren ein Stück bergischer Geschichte im Altmetall.

Erstellt von am 05.12.2014.

4 Kommentare Solingen: Alte Straßenbahnbrücke kontrolliert eingestürzt

  1. Wolfgang Wandel

    05/12/2014 bei 14:04

    Ich habe mich vor einigen Jahren intensiv und mit Erfolg für den Erhalt der Kohlfurther Brücke eingesetzt! In diesem Zusammenhang habe ich auch mehrfach auf die Brücke Grunenburg hingewiesen,das ich sie schon seit 60 Jahren so verrostet kenne und sie immer noch steht ohne einen Pinsel Rostschutzfarbe! Sehr schade drum! Wieder ist ein Stück Solingen Geschichte! Ich bin mal gespannt,ob die Brücke an der Papiermühle gerettet wird!

  2. Wolfgang Wandel

    05/12/2014 bei 14:15

    Im Zusammenhang mit meiner Arbeit um die Kohlfutherbrücke Brücke schenkte mir Jemand ein Bild von einer Wupperbrücke im Glauben,es sei Diese. Auf dem Bild,- mit Rahmen war aber die Brücke Grunenburg zu sehen. Ich habe es dem Straßenbahnmuseum geschenkt und es ist dort zu bewundern!

  3. Reiner Nießen

    05/12/2014 bei 14:35

    Sehr schade um die erste Müngstener Eisenbahnbrücke, die damals eine Weltsensation war: Zum ersten mal war eine Stahlbogenbrücke schräg gebaut worden,das war damals überhaupt nicht zu berechnen. Der Statiker hat einfach so getan, als ob die beiden Bögen nicht miteinander verbunden seien und ist damit durchgekommen. Wie man sieht, hat es lange gehalten.

  4. Michael Tettinger

    06/12/2014 bei 14:09

    Kleine Korrektur: Die Brücke diente seit 1891 dem Solinger Wasserwerk in der Grunenburg. Noch heute steht dort unten das alte Kessel- und Maschinenhaus, welches heute als Wohnhaus dient. Seit 1883 musste die Kohle, die zum Betrieb der Wasserpumpen notwendig war, per Fuhre aus Solingen herangekarrt werden. Mit der Inbetriebnahme der Ronsdorf-Müngstener-Eisenbahn (an der Solingen finanziell beteiligt war) und dem Bau der Brücke konnte die Kohle nun per Eisenbahn transportiert werden. Das etwas weiter obenliegende (Richtung Papiermühle) Dampfkraftwerk der
    „Bergischen Elektrizitätswerke“ kam erst 1897 hinzu.

    Es hat nie einen Anschluss oben an der Krahenhöhe an das Solinger Straßenbahnnetz gegeben.