Solingen: Rollstuhlfahrerin 30 Minuten in der Hitze stehen gelassen

Solingen/ Ein Martyrium der besonders unangenehmen Art erlebte Rentnerin Gisela B. vor einigen Tagen, als die gehbehinderte und auf einen Elektro-Rollstuhl angewiesene Seniorin mit dem O-Bus der Stadtwerke Solingen von einem Einkauf in der Innenstadt nach Hause fahren wollte.

SWS_Bus_Rampe

„Normalerweise klappt alles meist gut mit den Bussen, aber an diesem Tag musste ich über 30 Minuten in der Hitze warten, weil die ganze Zeit nur Busse ohne Rollstuhlrampe kamen“, so Gisela B. im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Ich bin herzkrank und aufgrund meiner Behinderung auf den Rollstuhl angewiesen und dann bei dieser Hitze, so lange in der Sonne zu stehen war schrecklich“, schilderte die sichtlich aufgewühlte Seniorin ihre Empfindungen.

Bedauerlicher Zwischenfall

Von einem bedauerlichen Zwischenfall sprechen die Stadtwerke Solingen. „Ich kann verstehen, dass die Kundin sauer ist. Das sollte nicht passieren“, so Stadtwerkesprecherin Silke Rampe, die sich für den Vorfall entschuldigt.

„Wir versuchen die Umläufe der Buslinien so zu gestalten, dass ausreichend Busse mit Rollstuhlrampe verfügbar sind“, so die Sprecherin. Doch ausgerechnet an diesem Tag mussten zwei Busse mit Beschädigungen ins Depot einrücken. Die Ersatzbusse hatten keine behindertengerechte Ausstattung. Dies führte dazu, dass drei Fahrzeuge hintereinander keine Möglichkeit hatten, die Seniorin mit ihrem Rollstuhl zu befördern.

Problematik dauert an

Es könne immer wieder mal vorkommen, dass Rollstuhlfahrer nicht mitgenommen werden können, so Rampe. So haben die Stadtwerke Busse, die nur auf bestimmten Linien fahren können, was die Einsatzplanung erschwere, erklärt sie.

Eine Ersatzbeschaffung für die betroffenen Busse sei erst in 10 Jahren geplant: „So lange müssen wir damit leben“. Trotzdem arbeiten die Stadtwerke an einer Lösung, die es möglicherweise dennoch gestatte Rollstuhlfahrer zu befördern. Demnach versuche man derzeit zu prüfen, ob eine nachträgliche Ausrüstung mit Rollstuhlrampen möglich ist.

Stadtwerke geben Tipps

Viele Menschen wüssten nicht, wie sie sicher mit ihrem Rollstuhl, oder Rollator, im Bus von A nach B kommen. Aus diesem Grund haben die Stadtwerke für den kommenden Mittwoch, 23. Juli, einen Mobilitätstag organisiert. Gemeinsam mit dem Beirat für Menschen mit Behinderung und dem Seniorenbeirat Solingen sowie der Polizei, dem Sanitätshaus Köppchen und dem Haus Müngsten werden am Neumarkt Senioren und Menschen mit Beeinträchtigungen fit gemacht für das Busfahren. Dafür stehen zwischen 10 Uhr und 15 Uhr ein Rollator-Parcours, zwei Busse, drei Infostände und zahlreiche Berater für Fragen zur Verfügung. Damit niemand in der Hitze des Sommers schmoren muss, ist auch für das leibliche Wohl auf dem Marktplatz gesorgt, verspricht Silke Rampe. (ls/cs)

Erstellt von am 21.07.2014.

9 Kommentare Solingen: Rollstuhlfahrerin 30 Minuten in der Hitze stehen gelassen

  1. Melanie Walterscheidt

    21/07/2014 bei 16:51

    Es grenzt schon bald an eine Frechheit womit die Stadtwerke sich so entschuldigen.
    Ausgerechnet an dem Tag wahren zwei Busse im Depot.
    Mal ehrlich die Stadtwerke sollten dann sehen das in den Bussen Leute mitfahren die den Behinderten dann rein und raus helfen.
    Stehen doch genug Menschen den ganzen Tag sinnlos rum und die Tickets sind wohl auch teuer genug.
    Wenn ein Restaurant Schnitzel auf deer Karte hat kann es auch keine Kottlets raus geben und sägen tuzt mir leid Schnitzel sind aus.
    Aber Nein und re Busfahrer leiden ja auch unter der Hitze und sch,wissen dann wahllos Leute aus dem Bus weil die Laune gerade danach nicht ist zu beantworten was man für ein Ticket benötigt um nach Wuppertal zu kommen, dann kommt dann von den SWS ein Schreiben mit den Worten ‚tut uns leid‘ und dann ist der Keks für die gegessen.
    Ist mir persönlich passiert , das schreiben habe ich als Beweis.
    Und somit habe ich mein Ticket und das meines Sohnes gekündigt und mein Auto wieder angemeldet und fahre meinen Sohn zur Schule.
    Der r ubrigens auch schön Angst vor Busfahrer n hat weil die ständig meinen das die Tickets nicht funktionieren, die Schüler aus ddem Bus schmeissen und dabei geht den ihr Scanner einfach nicht.
    Es tut mir wirklich leid für jeden Menschen mit Behinderung der nicht in der
    Lage ist sich gegen dieses Martyrium zu wehren.
    Aus meiner Familie wird dieses Unternehmen niemand mehr mit einem Cent unterstützen, lieber fahren wir Taxi!!!
    Ich glaube bei den Stadtwerken belegen die Extra-Kurse für Ausreden in Bezug auf den eigenen Unmut!!!
    In diesem Sinne,schönen Sommer
    M.Walterscheidt

  2. Rainer Rommel

    21/07/2014 bei 19:07

    Hätte man die Frau denn nicht mit Rollstuhl in den Bus heben können ?

  3. Kai Schumacher

    21/07/2014 bei 19:33

    Danke!

  4. Volker mit F

    21/07/2014 bei 20:05

    Ein Elektro-Rollstuhl kann gut und gerne 150 – 200 kg wiegen, mit „Inhalt“ dann noch entsprechend mehr. Selbst wenn an der Start-Haltestelle drei aufmerksame und hilfsbereite Bodybuilder der Dame behilflich beim Reinwuchten gewesen wären, wäre sie ohne jene Hilfe nicht mehr in der Lage gewesen, den Bus zu verlassen. Was wäre, wenn an der gewünschten Haltestelle der Dame nicht mehr genügend starke Helfer zur Verfügung stehen würden? Dann wäre das Geschrei schon wieder groß, wahrscheinlich sogar noch größer, weil dann die netten Herren von der Feuerwehr zur Hilfe hätten eilen müssen…
    Der Busfahrer trägt ausserdem die Verantwortung dafür, dass alle Passagiere bei einem technischen defekt schnellstmöglich den Bus verlassen können müssen, also kann er solch eine hilfsbereite, nett gemeinte Geste gar nicht erst zulassen.

    Natürlich ist es traurig, dass nicht genügend Niederflurbusse mit Rollstuhlrampe auf der Strecke unterwegs waren. Defekte sind aber meist nicht kalkulierbar. Auch mit regelmäßig durchgeführter Wartung treten diese hin und wieder unverhofft auf. Und ein solch desolate „Firma“ wie die SWS kann es sich nun mal nicht leisten, nur für den Tag X mehrere fahrbereite Busse auf Abruf in den Hallen stehen zu haben; oder wollt ihr wirklich noch mehr für ein Ticket bezahlen müssen, nur weil auch (sorry!) Einzelschicksale am Tag X vermieden werden könnten?

    • Martin

      23/07/2014 bei 09:01

      Einzelschicksale? Wie würdest Du das sehen, wenn Du im Rollstuhl sitzen würdest. Da bist Du eh schon in vielem eingeschränkt, da sollte wenigstens Busfahren möglich sein. Die Konsequenz: siehe Beitrag von Nils Kaumann. Es gibt mobile Rampen für kleines Geld, die könnte jeder Bus mitführen. Und den Fahrplan an die jeweilige Möglichkeit, eine Rolli einladen zu müssen, auch einplanen. Das würde alles gehen, wenn man denn wollte.

      • Volker mit F

        23/07/2014 bei 15:58

        Ja, die Mutter mit Kinderwagen, der Fahrradfahrer und auch eine ganze Schulklasse, die mit dem Bus fahren möchten, aber wegen Platzmangel (oder in dem Falle Rampenmangel) nicht mitfahren können, sind statistisch gesehen sehr seltene Einzelfälle – man mag es kaum glauben…

        Dass man den Service besser gestallten könnte, steht ausser Frage. Nur muss das alles auch noch bezahlbar bleiben. Oder möchtest Du 50% mehr für Dein Ticket bezahlen, damit die SWS allen Eventualitäten gerecht werden kann?

        Und wie ich das sehen würde? Es gibt Rollstuhl-gerechte Taxen, auch in Solingen. Wenn man völlig ohne Komplikationen unterwegs sein möchte, dann bestellt man sich solch eins. Kostet mehr, das stimmt, aber dann hätte die Dame nichts zu meckern gehabt. So doof das auch ist, leider sind bei weitem noch nicht alle ÖPNV-Fahrzeuge (und zum Teil auch Haltestellen) behindertengerecht gestaltet – dem muss man leider, als Mensch mit Behinderung, Rechnung tragen…

  5. Michael

    21/07/2014 bei 22:35

    Klar hätte Man(n) oder Männer den Rolli in den Bus heben können, aber das ist den Fahrern und Fahrerinnen bestimmt verboten, Haftunsgründe und was weiß ich nicht alles. Aber in einer Stadt, in der das Stadtoberhaupt so peinlich ist ( siehe OB und sein Umgang mit Kramer) kann man von den STADTwerken wohl kaum was anderes erwarten. Der Fisch (SG) stinkt vom Kopfe, aber er stinkt komplett. Solingen schafft sich ab.

  6. Nils Kaulmann

    22/07/2014 bei 00:33

    Es ist wirklich schamlos von der SWS Dame solch eine Lüge als Entschuldigung zu nennen..ich bin mit meiner Mutter die auch auf einen E-Scooter angewiesen ist unterwegs..vor gar nicht all zu länger Zeit mussten wir mit der 684 Richtung Widder fahren..auf dem Rückweg mussten wir allen Ernstes 5 Busse lang warten lassen bis endlich mal einer mit Rampe anhielt..darauf hin rief ich bei den SWS an um mich zu beschweren..zwei Mal wurde ich aus der Warteschlange geworfen nachdem ich mein Problem schilderte und beim dritten Versuch hieß es „Das müsse man hinnehmen“..eine Riesen grosse Sauerei..ich bin meist noch derjenige der den Busfahrern ihre Arbeit abnimmt und die Rampen ein-und ausklappt-man muss in solchen Momenten mal auf die langen Gesichter der Fahrer achten wenn sie beim Anhalten den Scooter oder Rollstuhl sehen und die Erleichterung wenn ich sage dass ich das mit der Rampe erledige..und viele machen ja nicht mal mehr den Anschein Hilfe leisten zu wollen..oder sie lassen einen einfach stehen, was uns auch schon passierte..es ist traurig was mit beeinträchtigten Menschen passiert und wie mit Ihnen in der Öffentlichkeit umgegangen wird..

  7. Uwe Schönberger

    23/07/2014 bei 08:35

    Die Frau denkt nicht nach.Erst mal nachdenken, bevor man so einen Mist schreibt.Ich selbst bin auch Busfahrer.Irgendwo sind Grenzen gesetzt.Das gilt auch für Rollstuhlfahrer