Solingen: Alt + arm = weiblich?

Solingen/ Sind in Zukunft vor allen Dingen Frauen von Altersarmut betroffen? Diese Frage stellte sich das Bündnis 90/Die Grünen anlässlich des Internationalen Frauentages. Hierzu luden sie am Samstagvormittag zu einem „Grünen Salon“ ins Atelier „Gleis 3“ ein, wo bei einem Frauenfrühstück über die Frage der Altersarmut diskutiert wurde.

Grüner SalonFür die Podiumsdiskussion konnten Maria Klein-Schmeink, Soziologin und Grünen-Abgeordnete des Landtages sowie Katja Feld, Sozialwissenschaftlerin und Geschäftsführerin des FSI, gewonnen werden. Katja Feld, die das „Institut für soziale Innovation“ mitgegründet hat, lenkte den Blick auf die sozialen Netzwerke, die sich in den einzelnen Stadtteilen positiv auswirken. Sie forderte, dass die Politik sich mit den Bürgern auf gleiche Augenhöhe begebe und wies auf die Wichtigkeit hin, betroffenen Menschen die Möglichkeit zur Selbsthilfe zu verschaffen und das Selbstbewusstsein zu stärken. „Es gilt, die sozialen Netzwerke zu stärken, mehr über Nachbarschaftlichkeit nachzudenken und über neue Wohnformen“, betonte Feld. So könnte eine Lebensqualität geschaffen werden, die eine Vereinsamung oder die häufig schlechte Wohnsituation alter Menschen verhindert. Dezentrale Lösungen sozialer Fragen seien wesentlich effektiver als eine Zentralisierung.

Über die politische Lage sprach Maria Klein-Schmeink und zeigte hier klar auf, dass Frauen und vor allen Dingen alleinerziehende Mütter, in Zukunft von Altersarmut betroffen sein werden. „Kinder sind ein Armutsrisiko“, stellte die Landtagsabgeordnete fest. Denn gerade Alleinerziehende seien besonders oft von Langzeitarbeitslosigkeit und von niedrigen Löhnen betroffen und bezögen Transferleistungen. Doch nicht nur Kinder sind ein Armutsrisiko für Frauen, auch die ungleiche Entlohnung von Mann und Frau sowie die Ausübung von Minijobs, in welchen verstärkt Frauen tätig sind. „Niedrige Löhne von heute sind die Altersarmut von morgen“, betonte Klein-Schmeink.

Um dem entgegen zu wirken, führte sie mehrere präventive Maßnahmen auf, wie die Einführung von gesetzlichem Mindestlohn, die Abschaffung von Minijobs, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die Entgeltgleichheit und die Verbesserung bei der Erwerbsminderungsrente. Der Diskussion um die Mindestrente stellte sie das Konzept der Garantierente gegenüber, das die Grünen ausgearbeitet haben. Die Garantierente soll steuerfinanziert ein Mindestniveau von 850 Euro für Versicherte mit 30 oder mehr Versicherungsjahren garantieren. Dabei sollen auch Zeiten der Arbeitslosigkeit, Ausbildung, Kindererziehung, Pflege und Erwerbsminderung anerkannt werden.

Eine rege Diskussion folgte den Vorträgen, die von der VHS-Fachbereichsleiterin Dagmar Becker gekonnt moderiert wurde. Dabei wurden kritische Fragen nach der Berücksichtigung von Migrantinnen, den fehlenden Kita-Plätzen für Frauen im Schichtdienst gestellt sowie die Abschaffung des „frauenfeindlichen“ Lohnsteuersystems gefordert und auf die Wichtigkeit einer lebendigen Wohngemeinschaft hingewiesen. Nach dem angeregten Gespräch schloss Katja Feld die Veranstaltung mit einem passenden Schlusswort: „Armut ist nicht nur ein Faktor von Geld, sondern auch von Sinn und Gestaltungsmöglichkeiten.“

Erstellt von am 10.03.2013.