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OB Feith zu Toleranz und Extremismus

Solingen/ Oberbürgermeister Norbert Feith äußert sich jeden Monat in einer Kolumne zum Geschehen in Solingen.

OB Norbert Feith

Anfang des Monats, am 2. März, fand auch in Solingen der
„Weltgebetstag der Frauen“ statt. Sein Thema lautete „Steht
auf für Gerechtigkeit“.

Vorbereitet wurde er von Frauen aus Malaysia. Wer am Weltgebetstag teilnahm, lernte auch etwas über das südostasiatische Land; etwa, dass es in der Stadt George Town an der Westküste Malaysias eine „Straße der Harmonie“ gibt. Sie heißt so, weil hier seit mehr als
zweihundert Jahren vier große Religionen auf begrenztem Raum gut miteinander auskommen.

In enger Nachbarschaft stehen dort eine christliche Kirche, eine Moschee, ein buddhistischer und ein hinduistischer Tempel.

Den Ort „Straße der Harmonie“ zu nennen, war eine schöne Idee der Malaien. Denn die Nachrichten und Fernsehbilder aus aller Welt lassen uns eher an „Konflikt“ und Schlimmeres denken, wenn es um die Nachbarschaft der Weltreligionen geht. Das Beispiel der malaysischen Stadt lehrt, dass das Nebeneinander „konkurrierender“ Glaubenslehren durchaus nicht in Unduldsamkeit und Glaubenseifer umschlagen muss.

Gegenseitiger Respekt und gegenseitige Respektierung sind möglich, ohne dass dafür eigene Traditionen und Überzeugungen aufgegeben werden müssen. Harmonie heißt also keineswegs: „Gleichförmigkeit“.

Die Konrad-Adenauer-Straße und die „Straße der Harmonie“ trennen rund 13.000 Kilometer, doch kann uns das Beispiel der Stadt George Town in unserem Bemühen stärken, Integrationsstadt zu sein. Die Klingenstadt soll eine Stadt bleiben, die sich durch das gute und offene Miteinander zwischen den Solingerinnen und Solingern unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Glaubens auszeichnet.

Die Grundordnung unseres demokratischen Staates ist dabei unsere gemeinsame Basis.

„Die verschiedenen Wurzeln stellen eine Bereicherung des städtischen Lebens dar. Unabdingbare Voraussetzungen für dieses gute Miteinander sind Wertschätzung, gegenseitige Achtung, Toleranz und das gemeinsame Bekenntnis zu Demokratie und Freiheit.“

Diese Sätze stehen in der Solinger Erklärung, die muslimische und christliche Gemeinden, Wohlfahrtsverbände, das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage, Sportbund und Vereine, Schulen sowie der Christlich-Islamische Gesprächskreis Anfang Februar unterschrieben haben.

Seither haben schon über fünfhundert Bürgerinnen, Bürger und Ratsmitglieder ebenfalls ihre Unterschrift unter diesen Text gesetzt.
Wir können noch mehr tun: Stecken wir die rechtschaffenen Solinger Muslime und ihre Gemeinden nicht „in einen Sack“ mit der kleinen Gruppe von religiösen Extremisten, die in Solingen versucht, Anhänger zu werben.

Diese Gruppierung ist isoliert. Lassen wir uns aber auch nicht aufhetzen von den Extremisten aus anderen politischen Lagern, die mit den Ängsten der Menschen ihr Spiel treiben, um ebenfalls Anhänger zu werben. Auch die Konrad-Adenauer-Straße kann eine „Straße der
Harmonie“ sein, so wie es die Florastraße oder die Heukämpchenstraße und alle Straßen in Solingen sein können, an denen sich christliche Gotteshäuser und Moscheen begegnen.

Es hängt von unserer Bereitschaft ab, zusammen zu halten, uns nicht auseinander dividieren zu lassen und Unterschiede des Glaubens zu akzeptieren. Denn Harmonie ist ein Zustand, der Spannungen aushält.

Geschrieben von am 06.03.2012.